Varel/Nordenham - Der monatelangen Konflikt um den Umbau des Airbus-Konzerns und seiner Tochter Premium Aerotec (PAG) spitzt sich zu. Die IG Metall Küste kündigte mit Belegschaftsvertretern am Mittwoch Warnstreiks an den Standorten an. Sie sollen teils über einzelne Schichten und Tage hinausgehen – und könnten die anziehende Flugzeugproduktion bei Airbus treffen.

Im Vareler PAG-Werk soll ein Warnstreik an diesem Donnerstag um 6 Uhr beginnen. Es sei eine Mahnwache geplant, einige Kollegen würden zu einer Kundgebung in Hamburg fahren, erläuterte Thomas Busch. Der Vareler ist Gesamtbetriebsratsvorsitzender von PAG. Beim zweiten PAG-Werk im Oldenburger Land, in Nordenham. soll der Warnstreik um 22 Uhr beginnen. Er soll laut Busch bis Sonnabend andauern.

Viele Beschäftigte dürften daheim bleiben. Großkundgebungen seien angesichts Corona nicht geplant, so Bezirksleiter Daniel Friedrich von der federführenden IG Metall Küste.

Streit-Hintergrund: Airbus will Standorte mit Spezialteile-Fertigung (wie Varel) an einen Investor abgeben. Werke mit Strukturfertigung (z.B. Rumpfschalen/Nordenham) sollen zusammengefasst und enger integriert werden.

In beiden Fällen vermissen IG Metall und Betriebsräte verbindliche Zusagen zur Zukunftssicherung, wie sie betonten. Sie sehen letztlich Standorte gefährdet und setzen auch auf starke Unterstützung durch die neue Bundesregierung, wie Busch betonte.


Airbus-Konzernchef Guillaume Faury kritisierte die Aktionen als „unangemessen und respektlos“. Es gebe „bis dato keinen gravierenden Grund“, der den Aufruf zum Warnstreik rechtfertigen würde, heißt es in dem Schreiben von Faury, das auch vom Aufsichtsratsvorsitzenden der deutschen Airbus Operations GmbH, Mike Schöllhorn, unterzeichnet ist.

Das Problem für Airbus: Aktuell wird die Produktion wieder hochgefahrten. Warnstreiks könnten dies stören. Der Konzern und PAG haben gerade eine Stellenabbau-Welle hinter sich. Nun ist schon wieder konkret von der vermehrten Nutzung von Leiharbeitskräften für den Produktionshochlauf die Rede.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)