Essen - Der alte Krämerkittel hat ausgedient: Aldi Nord rüstet seine 28 000 Mitarbeiter mit neuer Berufsbekleidung aus. Blusen, Hemden und Westen sehen Beobachter wie die „Lebensmittel Zeitung“ als ein Signal für den Aufbruch in andere Zeiten. Aufgemöbelte Filialen, Backstationen und Markenprodukte sollen mehr Geld in die Kassen spülen.
Auch das als moderner geltende Schwesterunternehmen Aldi Süd hat sein Sortiment erweitert. Mit dem Verkauf von Tickets für Fernbuslinien bauen Aldi Nord und Aldi Süd außerdem ihr Reiseangebote im Internet aus.
Champagnerlaune zeigt Aldi aber nicht: Es gibt keine Hinweise, dass das Jubiläum „100 Jahre Familienunternehmen Albrecht“ in diesem Jahr groß gefeiert wird.
Aber der Discounter entwickelt sich offenbar gut. „Aldi schafft sich mit dem Ausbau der Filialen und des Sortiments eine eigene Firmenkonjunktur“, sagte Handelsexperte Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Besonders deutlich werde das beim Discounter Aldi Nord, der in Deutschland nach einer mehrjährigen Stagnationsphase seit dem vergangenen Jahr wieder zulege und Anschluss an die bisher schnellere Schwester im Süden finde. „Aldi kann vom Sterben der Fachhändler profitieren, insbesondere wenn der Bäcker oder Metzger um die Ecke zumacht.“ Umfangreichere Sortimente kämen gerade älteren Menschen entgegen, die nicht in mehreren Läden einkaufen wollten. Vor Feiertagen hole sich Aldi mit dem Premium-Angebot „Gourmet“ Gelegenheitskäufer ins Haus.
Mit Backwaren hatte die Unternehmerfamilie Albrecht vor 100 Jahren den Grundstein für das heutige Handelsimperium Aldi gelegt, das in den Nachkriegsjahrzehnten den Einzelhandel mit dem neuen Discount-Konzept revolutionierte. Der Bäcker Karl Albrecht meldete am 21. April 1913 einen „Handel mit Backwaren“ in Essen an, wie Stadtarchivarin Cordula Holtermann berichtet. Der Geschäftsbetrieb begann aber schon einige Tage vorher, wie die Unterlagen zeigen.
