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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Als Ausbilder Marke aufbauen

17.07.2014
Frage: Herr Lehmann, die Landesregierung hat eine Initiative zur Fachkräftesicherung angekündigt und will 200 Millionen Euro bereitstellen. Eine gute Idee?
Lehmann: Grundsätzlich ist alles zu befürworten, das dem Fachkräftemangel entgegenwirkt. Gut ist, dass das Vorhaben als konzertierte Aktion mit Kammern, Verbänden, Arbeitsagenturen angelegt wird. Das hat sich schon beim Ausbildungspakt bewährt, gerade auch im Nordwesten. Das Bereitstellen von Ausbildungsplätzen ist eben nur ein Aspekt von mehreren. Es muss etwas draufgesetzt werden, neue Ansätze zur Aus- und Weiterbildung etwa. Dazu gehören viele Maßnahmen wie offene Hochschulen, Angebote für Lernschwache oder auch stärkere Einbeziehung von bisherigen Randgruppen.
Frage: Als wie extrem empfinden die Unternehmen der Region denn den Mangel an potenziellen Auszubildenden und Fachkräften?
Lehmann: Der Nachwuchsmangel ist ein schleichender Prozess, zudem je nach Betrieb sehr unterschiedlich. Aber auf eines müssen sich alle zunehmend einstellen: Das demografisch bedingte Problem wird zunehmen, es wird immer weniger potenzielle Bewerber geben. Und zugleich wird dieses Potenzial heterogener, breit gespreizt bei Aspekten wie Vorbildung oder auch Alter.
Frage: Man hat ja manchmal den Eindruck, dass Betriebe beim Thema Fachkräftenachwuchs eher mit kurzem Horizont agieren, wenn es etwa um die Besetzung von Ausbildungsplätzen geht. Man denkt nur an das nächste Jahr...
Lehmann: Wichtig ist hier eine langfristige, strategische Herangehensweise. Denn nur bei wenigen Firmen ist die angemessene Besetzung von Lehrstellen aufgrund ihrer Größe, ihres Namens, ihrer Produkte oder ihres Images kein Problem. Für die anderen muss es darum gehen, systematisch an ihrer Marke als Ausbilder zu feilen. Sie müssen ihre Besonderheiten herausstellen. Sind sie gut, dann spricht sich das herum, auch über die Sozialen Netzwerke.
Frage: Wo ist das besonders nötig?
Lehmann: In gewerblich-technischen Bereichen. Es kann nicht sinnvoll sein, dass extrem viele junge Leute in den Öffentlichen Dienst streben, wie gerade eine Umfrage ergeben hat. Doch viele Jugendliche und ihre Eltern haben gar keine Vorstellung davon, was im Mittelstand alles geboten wird, auch wenn es um Flexibilität in der Ausbildung und bei Arbeitszeiten, Familie und Beruf, Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung oder Freiräume für eigenen Projekte geht.
Frage: Was muss noch geschehen, sind mehr neue Ideen in der Ausbildung nötig?
Lehmann: Vielerorts wäre das sinnvoll. Mit kleinen Maßnahmen kann man viel für sein Image, für Motivation und Zufriedenheit der jungen Leute tun. Ein Schritt ist übrigens, sich am Wettbewerb „Preis für Innovative Ausbildung“ PIA der NWZ zu beteiligen. Über alle Bewerbungen wird berichtet. So werden gute Ausbildungsbetriebe bekannter. In diesem Jahr kann man sich auch mit Projekten zur Berufsorientierung und zur gezielten Fortbildung der Ausbilder selbst bewerben. Das sind sehr wichtige Aspekte.
Frage: Inwiefern ist das Ausbilder-Thema wichtig?
Lehmann: Die Betriebe haben es in der Ausbildung immer mehr mit neuen Gruppen und ihren jeweiligen Bedürfnissen zu tun. Das verlangt eine wesentlich flexiblere Herangehensweise. Jedoch: Darauf sind manche Ausbilder einst gar nicht vorbereitet worden. Junge Leute erwarten aber, dass man angemessen auf sie eingeht.
Frage: Hat eigentlich der Mindestlohn Auswirkungen auf die Nachwuchssuche?
Lehmann: Ja, und zwar keinen guten. Hier werden falsche Anreize gesetzt – weg von der Ausbildung, die langfristig viele persönliche Chancen eröffnet, hin zu einer Aushilfstätigkeit, die kurzfristig mit dem Mindestlohn rund 1500 Euro Monatslohn ermöglicht.
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
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