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Als Kubaner hier zu Hause

Der Treffpunkt mit meinem heutigen Gesprächspartner war eher ungewöhnlich und auch nicht leicht zu finden: die Werkstatt im Schulzentrum Bookholzberg. Hier hat der Hausmeister sein kleines Reich. Der heißt Manuel Lopez – und hat eine ganz besondere Geschichte.

Seine Großeltern waren als spanische Bürger nach Kuba ausgewandert. Seine Eltern wurden genauso wie deren vier Kinder in Kuba geboren. Manuels Vater war politisch sehr aktiv als Bürgermeister in einem kleineren Ort. Seine Mutter arbeitete im Großhandel. Manuel wurde 1966 am Neujahrstag geboren. Schon als Kind war er ein begeisterter Sportler. Seit er bei einem Judoturnier zugeschaut hatte, bestimmte dieser Sport sein Leben. Er schaffte es bis zum „Schwarzen Gürtel“ ( 3. Dan).

Ausbildung in der DDR

Nach dem Sportstudium wollte Manuel Lopez sein Hobby zum Beruf machen, doch seine Gesundheit spielte nicht mit. An Hochleistungssport war nicht zu denken. So begann er 1985 eine Ausbildung als Glastechniker und zwar in Schlema bei Aue in der DDR, die mit Kuba ein Ausbildungs-Abkommen geschlossen hatte. Mit 14 weiteren Auszubildenden musste Manuel innerhalb von fünf Monaten die deutsche Sprache erlernen, darauf folgten zweieinhalb Jahre Ausbildung.

„Wie war der Kontakt mit den DDR Bürgern?“, wollte ich wissen. „Es wurde schon dafür gesorgt, dass Ausländer unter sich blieben“, erzählt Manuel mir. Allerdings war er so kontaktfreudig, dass selbst das DDR-System machtlos war. Während dieser Zeit lernte er seine spätere Ehefrau Astrid kennen und Weihnachten 1986 wurde der gemeinsame Sohn Benedikt geboren.

1988, nach der Ausbildung, musste Manuel wieder nach Kuba zurück. Im Heimatland sollte er das Erlernte an junge Auszubildende weitergeben. Zwei Monate hielt er es aus, doch die Sehnsucht nach seiner Familie in der DDR war stärker. Mit viel Glück durfte er ausreisen – andere mit dem gleichen Wunsch landeten im Gefängnis. Das Glück blieb ihm treu: Seine Frau studierte an der Uni in Freyberg und Manuel konnte dort als Hausmeister anfangen. Gleichzeitig konnte er sich auch wieder dem Judo widmen. 1988 heiratete er seine Astrid und zwei Jahre später wurde Tochter Anna-Felicia geboren.


Beruflich lief es nach der Wende nicht optimal für die junge Familie. Manuel machte eine neue Lehre im Bereich Heizungs- und Lüftungsbau, gleichzeitig war er als hauptamtlicher Judotrainer tätig. Mit Kindern und Jugendlichen zu trainieren, war sein Traumjob. Doch das Projekt war befristet, also musste er wieder etwas Neues suchen.

Einer von 139 Bewerbern

So landete die Familie in Bremen, aber auch hier wurde die Hausmeister-Stelle beim Zoll bald wegrationalisiert. Daher bewarb Manuel Lopez sich Anfang 2005 auf eine Stelle als Hausmeister im Schulzentrum Bookholzberg. Das Problem dabei: Es gab noch 139 andere Bewerber! Die Verwaltung entschied sich jedoch für Manuel Lopez. Eine seine Befürworterinnen war die damalige Fachbereichsleiterin und heutige Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas. „Manuel Lopez ist ein guter Organisator und zupackender Hausmeister“, sagt sie heute.

„Ich bin sehr glücklich hier, es macht mir viel Spaß“, versichert Manuel mir. Nicht nur, dass er mit seiner Familie in Bookholzberg die dortige Hausmeisterwohnung beziehen konnte, durch einen Bekannten bekam er den Tipp, dass der Bookholzberger TB einen Judotrainer suchte. Nach Differenzen mit dem Vorstand wechselte er zum VfL Stenum, der im Herbst 2010 Judo für Kinder und Jugendliche in sein Programm aufgenommen hat. Die Kurse mit Manuel Lopez erfreuen sich großer Beliebtheit.

Seit 2004 hat der Kubaner auch einen deutschen Pass. „Deutschland ist meine Heimat geworden“, sagt er. „Die deutschen Bürger sollten zufrieden sein. Es gibt viele Länder, da lebt es sich nicht so gut!“

Wenn die Zeit und die finanziellen Möglichkeiten es erlauben, fliegt er zu seiner Familie nach Kuba. Obwohl es nicht einfach ist, denn bei den Einreisekontrollen wird er oft schikaniert. „Bürger, die im Ausland leben, sind in Kuba verpönt“, erklärt er mir. Vor wenigen Wochen war er aber wieder in der alten Heimat – sein Vater war verstorben. Seine Eltern hat Manuel immer finanziell unterstützt.

Engagement in der Politik

Durch diese Reise verpasste er einen wichtigen Termin in Ganderkesee: die Erstellung der Kandidatenliste für die Kommunalwahl 2011. Seit kurzem ist Manuel Lopez nämlich auch politisch aktiv. „Ich möchte meinen Beitrag zum Thema Integration leisten. Deutschland tut sehr viel dafür, dass sich ausländische Bürger hier integrieren können. Integration fängt mit der Sprache an, jeder muss sich bemühen“, sagt er. Und ich merke, wie wichtig ihm dieses Thema ist. Vielleicht klappt es ja doch noch, dass die Bürger ihn für den Kreistag wählen können.

Manuel Lopez,

Hausmeister im Schulzentrum Bookholzberg und Judo-Trainer beim VfL Stenum
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