Huntebrück - Der Weg zum Landwirt kann auch über Umwege führen. Wie bei Jan Grimm. Der 28-Jährige hatte sich eigentlich dagegen entschieden, den Familienbetrieb im Nebenerwerb weiterzuführen. Nach einer Ausbildung zur Fachkraft im Agrarservice und einige Jahren später überlegte er sich die Sache noch mal anders.
So kommt es, dass er an einem windigen Mittwochmorgen mit fünf Mitprüflingen auf dem Hof Scholmann/van Eijden in Huntebrück steht, um vor der Landwirtschaftskammer Oldenburg die praktische Prüfung zum Landwirt abzulegen. Um ihr Können unter Beweis zu stellen, müssen die angehenden Bauern Kühe fachgerecht melken, füttern, eine Klauenpflege vornehmen und landwirtschaftliche Maschinen richtig einsetzen.
Zweite Ausbildung
Das führt während der Prüfung auch Stefanie Gerdes (25) aus Butteldorf vor. Die gelernte Einzelhandelskauffrau hat sich entschlossen, gemeinsam mit ihrem Verlobten Marcel Tülp (24) – der ebenfalls an der Prüfung teilnahm – eventuell den elterlichen Milchviehbetrieb zu übernehmen. Die beiden haben sich in dieser Woche besonders viel vorgenommen, denn nach der anstrengenden Vorbereitung auf den Abschluss der Ausbildung wollen sie an diesem Wochenende heiraten.
Die sechs jungen Männer und Frauen, die am Mittwoch ihre Prüfung ablegen, haben alle bereits eine Ausbildung abgeschlossen. „Es handelt sich um eine Qualifizierung für Quereinsteiger“, erklärt Friedrich Cordes, Bildungsbeauftragter der Landwirtschaftskammer Oldenburg.
Verkürzte Lehrzeit
„Weil sie nachweisen können, dass sie in landwirtschaftlichen Betrieben mitarbeiten, können sie die Ausbildung zum Landwirt nach zwei statt drei Jahren ablegen.“ Die theoretischen Lehrgänge finden in den zwei Winterhalbjahren statt und können berufsbegleitend absolviert werden. Ein wichtiger Punkt für Prüfling Carsten Krumland (28), der seit zwölf Jahren hauptberuflich im Maschinenbau arbeitet. Er will später gemeinsam mit seinem Bruder den elterlichen Betrieb bewirtschaften und trotzdem in seinem ersten Beruf weiterarbeiten.
