Landkreis - Der neue Auszubildende bei List Elektroinstallation in Wildeshausen hat mehrere Jahre Berufserfahrung. Der 25-jährige Eike Bernhardt hatte sich auf eine Stelle als Bauhelfer beworben und im Vorstellungsgespräch gefragt, ob er stattdessen den Beruf von Grund auf lernen könne. Betriebsinhaber Jens List war sofort einverstanden. Seit dem 1. August lernt Eike Bernhardt nun, was er als Elektroniker Energie- und Gebäudetechnik wissen muss.
„Junge Erwachsene mit Berufserfahrung auszubilden ist für Betriebe sehr lohnend“, sagt Dr. Thorsten Müller, Chef der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven. „Gerade wenn Ausbildungsstellen schwer zu besetzen sind, bietet sich dieser Weg an. Jüngere Erwachsene sind eine gute Wahl, weil sie meist sehr zielstrebig sind und deshalb die Zähne zusammenbeißen, wenn es einmal schwierig werden sollte.“ Mit dem Programm „Spätstarter – Ausbildung wird was“ wirbt die Behörde gezielt bei jungen ungelernten Arbeitslosen darum, eine Berufsausbildung zu beginnen. Eike Bernhardt war von sich aus aktiv geworden.
Wie erfolgreich die Entwicklung vom Helfer zum Gesellen sein kann, hat Dachde-ckermeister Andreas Wiese, Geschäftsführer der Wiese & Sänger GmbH in Cappeln, erlebt. Er bildete Denis Taş aus Großenkneten aus. Der hatte zuvor gut drei Jahre lang Solaranlagen als Helfer montiert. Wiese ist sehr zufrieden mit seinem neuen Gesellen. „Deniz hat eine sehr hohe Arbeitsmotivation. So hat er sich bei uns vorgestellt, und das hat er durchgehalten. Deshalb war für uns klar, dass wir ihn direkt nach der Ausbildung als Gesellen einstellen.“
Für die Ausbildungsbetriebe gibt es eine wichtige Hilfestellung: Auch lebenserfahrene Auszubildende können die kostenlose Nachhilfe für den Theorie-Unterricht der Berufsschule nutzen, den die Arbeitsagentur finanziert. Denis Taş hat seine Gesellenprüfung auch ohne Unterstützung mit guten Noten absolviert.
Das Programm „Spätstarter“ richtet sich an Männer und Frauen zwischen 25 und 35 Jahren, die arbeitslos sind und keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Im Bezirk der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven sind es zurzeit fast 3500 von knapp 27 500 Arbeitslosen, im Landkreis Oldenburg 287 von 2946 Arbeitslosen. Wer als Ungelernter eine Ausbildung absolviert, kann das Risiko der Arbeitslosigkeit deutlich verringern: Fachkräfte haben ein vierfach niedrigeres Risiko, arbeitslos zu werden. Hinzu kommt: Diese Altersgruppe hat gut 30 bis 40 Jahre Berufsleben vor sich, mit einer Ausbildung verdienen sie im Laufe ihres Berufslebens bis zu 300 000 Euro mehr.
