Oldenburg - Auswahl, Verfügbarkeit und Optik – Supermärkte glänzen mit einem stets vollständigen Warenangebot, auch im Gemüsesortiment haben sie Standards gesetzt. Weil sich das Angebot über die Jahreszeiten hinweg kaum verändert, wissen viele Verbraucher nicht mehr genau, welches Gemüse zu welcher Jahreszeit in der Region wächst. Bauernmärkte und Landwirte klären auf, welches Gemüse im Winter in die Läden kommt.
Frisch vom Feld erntet der Eytjehof auch bei frostigen Temperaturen Grün- und Rosenkohl. Doch das meiste Gemüse kann aus dem Lager heraus verkauft werden, darunter weitere Kohlsorten, Möhren, Rote Beete und Steckrüben. Das Biolädchen im Neubaugebiet Eversten West hat außerdem den Hokkaido-Kürbis, Knollensellerie und Feldsalat im Angebot. Denn’s-Biomarkt bietet zudem Topinambur, Pastinaken und Chicorée. Der Winter hat tatsächlich Potenzial, den gewohnten Speiseplan kräftig durchzurütteln.
Standards im Angebot
Der Landfrauenverband Weser-Ems beobachtet, dass immer weniger Menschen wissen, woher ihre Lebensmittel kommen und wie sie zubereitet werden. Das sei zu einem flächendeckenden Problem geworden, so die Vorsitzende Agnes Witschen: „Die ganze Palette ist ja zu jeder Zeit verfügbar. Wenn man alles haben kann, macht man sich keine Gedanken darüber, was wann wächst.“ Mit diversen Initiativen versuchen die Landfrauen deshalb, diese Wissenlücken zu schließen und setzen dafür in den Schulen an. Seit zehn Jahren kochen sie niedersachsenweit mit Kindern in Grundschulen. Das begründet Witschen so: „Wenn ich nicht weiß, wie ich es zubereite, dann kaufe ich es nicht.“ Dabei gebe es tausend Möglichkeiten, sagt sie.
Blass und unattraktiv?
Früher sei man sowieso kreativer mit Lebensmitteln umgegangen, findet Alexandra Bauer-Bleckert. Zur damaligen Zeit, erinnert sich die Inhaberin vom „Biolädchen“, aß man im Winter tatsächlich drei Monate lang Kohl, und trotzdem gab es Alternativen. Johanna Eyting, Inhaberin vom Eytjehof, ist überzeugt: „Tomaten und Gurken sind im Winter hohle Nüsse.“ Aber neben leuchtend roten Tomaten und knackigen Paprika macht das farblose Wintergemüse eine schlechte Figur. „Meist sieht es so runzelig aus“, sagt Bauer-Bleckert.
Dieser runzelige Kohl ist in puncto Vitamingehalt allerdings Spitzenreiter im Winter, weiß Gemüsehof-Inhaber Andreas Osterloh. Das beliebteste Wintergemüse sei nach wie vor Grünkohl. Johanna Eyting baut auf ihrem Hof 35 Gemüsesorten an, der Kohl gehört natürlich dazu: „Die sind sehr vitamin- und nährstoffreich, enthalten Calcium, viel Vitamin C und D.“
Der Kostenfaktor ist ein zusätzlicher Vorteil von Gemüse aus der Region, meint Andreas Osterloh, denn es sei günstiger als die importierten Produkte aus Spanien und Italien. Zudem spiele der ökologische Aspekt eine Rolle, da die Waren nur kurze Wege zurücklegten. Dennoch: Die wenigsten Märkte, einschließlich der Biomärkte, können ganz auf Importprodukte verzichten. Das hat auch Alexandra Bauer-Bleckert eingesehen: „Man muss wettbewerbsfähig bleiben.“
Das Angebot ist da
Eine positive Entwicklung gibt es trotzdem, auch unter konventionellen Supermärkte. Sie reagieren auf den Trend zu mehr Nachhaltigkeit und informieren über das regionale Angebot mit einem Saisonkalender. Aber reicht das? Gerade unter jungen Menschen herrscht große Unsicherheit. „Es ist schwierig, das zu durchblicken, wenn immer alles da ist“, sagt Florian Grube (26). Die Verkaufshits auf den Wochenmärkten beweisen: Regional und saisonal einkaufen ist hier im Winter möglich. Möhren, Rosenkohl, Grünkohl und Feldsalat gehen momentan am häufigsten über die Theke. Der Wirsingkohl ist ebenfalls sehr gefragt. Weniger beliebt dagegen sind Weißkohl, Chinakohl und Pastinaken.
Wie das kühle Gemüse nun zu einem wärmenden Gericht zubereiten? Rote Beete schmeckt nicht nur im Salat, sondern auch gekocht als Beilage. Steckrüben mit Kartoffeln pürieren? Ein Fest. Sie lassen sich auch panieren und in der Pfanne braten. Besonders leicht in der Zubereitung sei unter anderem der Wirsingkohl, sagt Andreas Osterloh: „Zu einem schnelle Eintopf oder gedünstet in der Pfanne.“ Topinambur macht sich ebenfalls gut in einer Gemüsepfanne, schlägt Johanna Eyting vor.
Einmal ausprobiert stellt man fest, das Gemüse „drauß’ vom Walde“ ist gar nicht so unheimlich, wie es vielleicht aussieht. Im Gegenteil: Es ist ziemlich leicht zu knacken und im Winter eine gute Alternative zu Tomaten aus dem Gewächshaus.
