ALTMOORHAUSEN - Pünktlich um 8 Uhr morgens rückten am Mittwoch die Mitarbeiter einer Speditionsfirma an. Ihr Auftrag: Die Umsetzung der gerichtlich verfügten Zwangsräumung des „Altmoorhauser Scheunenateliers“. Bis zuletzt hatte sich Inhaberin Gisela Hollmann-Niederdorf geweigert, ihr „künstlerisches Lebenswerk“ aufzugeben. Die Arbeit der Möbelpacker verfolgte die 55-Jährige unter Tränen. Den Auftakt der Räumung begleitete sicherheitshalber auch die Huder Polizei. Neuer Eigentümer der Immobilie ist Nachbar Fred Hattendorf, der das Anwesen bereits im vergangenen Jahr im Rahmen der Zwangsvollstreckung vor dem Amtsgericht Oldenburg ersteigert hatte.
Der Auszug der Textil- und Objektkünstlerin war das vorläufige Ende einer „Verkettung unglücklicher Umstände“. So bezeichnet die Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg den wirtschaftlichen Niedergang, der in missglückten Kreditgeschäften in Zusammenhang mit einer Immobilie in Grefrath seinen Anfang genommen hatte. Die Verantwortung für einen ihrer Meinung nach aus „sittenwidrigen Darlehensverträgen“ entstandenen „erheblichen Eigenkapitalvermögensverlust“ schreibt Gisela Hollmann-Niederdorf ihrer damaligen Hausbank zu. Ihre 2006 gegen das Kreditinstitut gestellte Strafanzeige wegen Betrugs und Nötigung zur Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung verlief indes im Sande: Die Staatsanwaltschaft konnte kein strafbares Verhalten erkennen, zudem seien die angezeigten Straftaten allesamt verjährt gewesen.
Gisela Hollmann-Niederdorf fühlt sich von der Bank, der Justiz – seit 2004 hatte sie (letztlich erfolglos) 22 Rechtsanwälte bemüht – der Gemeindeverwaltung, dem Landkreis Oldenburg, der die Anerkennung des Scheunenateliers als Baudenkmal verweigert hat, und ihrem Nachbarn „systematisch und willkürlich“ um ihre Existenzgrundlage gebracht.
Dabei hatte alles gut angefangen: 1996 hatte sie begonnen, aus der ehemaligen Scheune des geerbten, maroden Resthofes an der Dorfstraße 20 ein „Kunstobjekt“ zu schaffen, dem sie den Titel „Altmoorhauser Scheunenatelier“ gab. Das 1998 eröffnete Gebäude wurde ihr Arbeitsatelier und Veranstaltungshaus – dort fanden Seminare, Kurse, Ausstellungen, Konzerte und Kulturabende statt. Aufsehen erregte Gisela Hollmann-Niederdorf mit ihrem Projekt „Das nachhaltige Tuch“. Dieses Markenzeichen hatte sie sich im Jahr 2000 sogar patentieren lassen. Mit 750 miteinander verknüpften Geschirrtüchern versuchte sie 2002, Eingang ins Guinnessbuch der Rekorde zu finden.
Das Anwesen blickt auf eine lange Geschichte zurück: Die historische Hofstelle wurde 1668 zum ersten Mal erwähnt. Zur Immobilie gehören ein Wohnhaus mit einer Grundfläche von rund 400 Quadratmetern sowie das 190 Quadratmeter große Nebengebäude mit dem Atelier. Was daraus wird, steht noch nicht fest. „Ich warte jetzt erst einmal ab und bin nach allen Seiten offen“, sagte Eigentümer Fred Hattendorf.
