ALTONA - Die Ernährungswirtschaft muss das deutsche Verbraucherverhalten als Werbeträger nutzen, um sich weltweit neue Märkte zu erschließen. „Wir wollen Deutschland zur Marke machen“, sagte Werner Hilse, Präsident des Niedersächsischen Landesbauernverbandes, am Montag bei einer Veranstaltung der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW) auf Gut Altona. Um die Zukunft der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu sichern, sollten die Produktionsstandards weiterentwickelt und die junge Generation motiviert werden. Hilse zufolge erfahre die Landwirtschaft inzwischen wieder eine höhere Wertschätzung durch die Gesellschaft.
Zu der Fachtagung hatte NGW-Vorsitzender Wilhelm Hoffrogge aus Dötlingen mehr als 200 Gäste begrüßt – unter ihnen der Staatssekretär im Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium, Friedrich-Otto Ripke, den Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer, Fritz Stegen, die CDU-Landtagsabgeordneten Clemens Große Macke (Cloppenburg) und Karl-Heinz Bley (Garrel), Landrat Frank Eger, Wildeshausens Bürgermeister Dr. Kian Shahidi und die stellvertretende Dötlinger Bürgermeisterin Anke Spille. Hoffrogge wies auf die veränderten Rahmenbedingungen durch die „Preisexplosion“ bei Getreide und Futtermittel hin. 60 Prozent der Produktionskosten in der Geflügelwirtschaft seien Ausgaben für Futtermittel. Audrücklich hob der Dötlinger Landwirt hervor, dass die Erzeuger von höheren Verkaufserlösen profitierten. „Hier funktioniert die Verbundwirtschaft noch.“
Im Namen des Verbands mit seinen rund 1200 Mitgliedern sagte Hoffrogge zu, dass die Verordnung zur Legehennenhaltung „mustergültig“ umgesetzt werde. Ein „Tierschutz-TüV“ für Stallanlagen sei nicht erforderlich, sondern würde vielmehr neue Bürokratie produzieren.
Staatssekretär Ripke warb dafür, bei Veränderungen in der Landwirtschaft die Verbraucher mitzunehmen. Auf Dauer seien Bilder von Milch, die in Güllegruben geschüttet werde, nur schwer zu vermitteln. Umfragen zufolge seien erstmals 88 Prozent der Verbraucher bereit, höhere Preise für Lebensmittel zu zahlen. Durch die Märkte in Asien werden sich der Preisdruck erhöhen.
Einen Bogen von landwirtschaftlichen Immissionen bis zur Gentechnik schlug der evangelische Theologe Dr. Roger J. Busch, Geschäftsführer des Ethik-Instituts Technik-Theologie-Naturwissenschaften an der Universität München. Er meinte, viele Vorbehalte in der Bevölkerung gegenüber der Tierhaltung seien fachlich nicht begründet. Vielmehr werde die eigentliche Diskussion über die Fortschritte in der Lebensmittelproduktion geführt. Auch Busch riet, stärker auf die Verbraucher zuzugehen.
