ALTONA - Zur „Geburtstagsfeier“ trafen sich die Mediziner quasi im „Kreißsaal“: Vor zehn Jahren wurde im Hotel „Gut Altona“ die Ärztegenossenschaft Niedersachsen/Bremen (ägnw) eG von 131 Medizinern aus der Region gegründet. Bei der Generalversammlung an gleicher Stelle zogen die Vertreter am Mittwoch eine positive Bilanz. „Als Vertragspartner der Krankenkassen für neue und moderne Versorgungsmodelle wird die Genossenschaft zunehmend geschätzt und angesprochen“, so der Vorsitzende, Dr. Rainer Woltmann (Wildeshausen).
„Vor zehn Jahren waren wir noch Gelegenheitskicker“, bemerkte Dr. Jörg Berling, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), „heute spielen wir in der Bundesliga.“ Die ägnw stelle mittlerweile 20 Prozent der Sitze in der Vertreterversammlung der KVN und besetze wichtige Posten in unterschiedlichen Gremien. Berling wies auf die Notwendigkeit eines Mentoringprogramms für junge Mediziner und die Stärkung des Servicegedankens hin. Er kritisierte, dass „das unsägliche System der Budgetierung“ inzwischen 20 Jahre alt sei, obwohl es nur für zwei Jahre angelegt worden war. Eine Reform sei eine „Herkulesaufgabe“. Berling schloss sich der Meinung des Ärztefunktionärs Jörg-Dietrich Hoppe an, dass eine breite gesellschaftliche Debatte über die Priorisierung medizinischer Leistungen notwendig sei. „ Selten wurde ärztliche Tätigkeit so gering honoriert wie gegenwärtig“, hieß es bei Teilnehmern der Versammlung.
Dr. Volker Kuhlmann (66 Jahre), niedergelassener Arzt in Wildeshausen und Vorstandsmitglied des ägnw, meinte, die Nachfolgeregelung in den Hausarztpraxen sei mittlerweile zu einer zentralen Frage im Gesundheitssystem geworden. Der Medizinernachwuchs brauche lukrative Angebote. Es sei nicht einzusehen, dass ein Hausarzt schlechter als ein Facharzt im Klinikum bezahlt werde. Zwar sei die Vernetzung, wie sie beispielsweise in Wildeshausen mit dem Krankenhaus Johanneum vorbildlich betrieben werde, ein zukunftsweisendes Modell. Nach diesem Vorbild könnten aber nicht alle Probleme der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum gelöst werden.
Zu den Rednern gehörten unter anderem KVN-Vorstandsvorsitzender Mark Barjenbruch und Dr. Klaus Bittmann, Vorstandschef der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein. Er war vor zehn Jahren „Geburtshelfer“ der ägnw.
Wirtschaftlich sei die Ärztegenossenschaft mit ihren knapp 1000 Mitgliedern gesund, so Geschäftsführer Dr. Andreas Rühle. Nach leichtem Verlust im Vorjahr wurden 2010 wieder Gewinne geschrieben. Erfolgreich etabliert habe sich das Geschäftsfeld Medizintechnik.
