ALTONA - Dass sich die erhitzten Gemüter am Ende der Podiumsdiskussion nicht auf eine Lösung würden einigen können, ließ schon das Thema vermuten: Das Nordwestradio hatte auf Gut Altona zu einer Expertenrunde eingeladen, die über Antibiotikaeinsatz in der Geflügelzucht debattierte. Vor rund 60 Gästen entspann sich ein reger Austausch zwischen Tierschützern und Vertretern der Landwirtschaft.

Wilhelm Hoffrogge, Vorsitzender des Verbandes der Geflügelwirtschaft Niedersachsen, erntete mit seiner Aussage „wenn meine Tiere krank sind, dann bin auch ich krank“ Spott von Tierschützern aus dem Publikum. Hoffrogge führte aus, dass jeder Halter ein Interesse an gesunden Tieren habe, dies mache aber den Medikamenteneinsatz zuweilen nötig. Heftig widersprach unter anderem Timan Uhlenhaut vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der die Lebensumstände der Tiere als Ursache für Krankheiten benannte. Das jetzige System funktioniere nicht ohne den Einsatz von Antibiotika und müsse geändert werden.

Besonders die Forderungen nach einer Systemänderung fanden bei Teilen des Publikums großen Zuspruch. In den Pausen der live im Radio übertragenen Diskussion versuchten sie immer wieder, mit Protestliedern auf die Situation der Tiere aufmerksam zu machen. Unterstützt wurde die Forderung auch von Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes: „Die industrielle Landwirtschaft wird nicht mehr lange bestehen.“ Norbert Meyer, Vorsitzender des Landvolks im Landkreis Vechta, wies seinerseits darauf hin, dass Antibiotika zur Leistungsförderung schon seit 2005 EU-weit verboten seien und auch der Einsatz von Medikamenten immer nur situationsbezogen und begrenzt geschehe. Fachtierarzt Dr. Erwin Sieverding allerdings musste eingestehen, dass bei den großen Tierzahlen eine Einzeltherapie gar nicht möglich sei, sondern mehrere Tiere behandelt werden müssten.

Gegen Ende kam dann noch mehr Feuer in die Diskussion, doch bevor sich die Teilnehmer zu sehr behaken konnten, schloss Moderator Otmar Willi Weber mit den Worten: „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.“

Björn Buske
Björn Buske Online-Redaktion