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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Am Traumschiff schlagen die Wellen hoch

28.07.2012

NEUSTADT Zoff auf dem „Traumschiff“: Im Streit um die geplante Ausflaggung des Traumschiffs „MS Deutschland“ schlagen die Wellen hoch. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Eigner sei der Kapitän des Schiffes, Andreas Jungblut, von Bord geschickt worden, berichtete die „Bild-Zeitung“.

Die „MS Deutschland“ ist das letzte große Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge. Millionen TV-Zuschauer kennen es aus dem Fernsehen als ZDF-„Traumschiff“.

Die Reederei wies die Darstellung zurück. Jungblut sei nicht von Bord gejagt worden, sagte Reedereisprecherin Kornelia Kneissl am Freitag. Der Kapitän sei während seines schon lange geplanten Urlaubs an Bord gekommen. „Daraufhin wurde er gefragt, warum er nicht seinen Urlaub genieße. Das hat er wohl als unfreundlichen Rauswurf aufgefasst“, sagte Kneissl. „Geschäftsführung und Eigner würden sich wünschen, zu einer sachlich-konstruktiven Argumentation zurückzukehren“, sagte sie.

Hintergrund des eskalierten Streits sind Pläne des Münchner Finanzinvestors Aurelius, die „Deutschland“ künftig unter der Flagge Maltas fahren zu lassen. Sie ist das letzte große Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge. Aurelius hatte die Reederei Deilmann mit Sitz in Neustadt in Schleswig-Holstein nach deren Insolvenz im Sommer 2010 übernommen. Die Ausflaggungspläne begründete Aurelius mit der Kürzung der Schifffahrtshilfen.

Die „MS Deutschland“ liegt in London vor spektakulärer Kulisse. Am Mittwoch während des Tages hatte Kapitän Jungblut noch fröhlich gewirkt. So hatte er mit dem deutschen Botschafter in London, Georg Boomgaarden, auf dem Sonnendeck gescherzt. Am Abend wurde er dann nach Angaben der Zeitung von Bord geschickt.

Gegen den geplanten Flaggenwechsel macht Jungblut vehement Front. „Bild“ zitierte aus einem Brief des Kapitäns an Bundespräsident Joachim Gauck. Darin heiße es, die Crew der „Deutschland“ meine, dass das Schiff sehr wohl unter deutscher Flagge wirtschaftlich fahren könne. „Man wechselt die Flagge nicht wie ein Unterhemd“, zitiert das Blatt.

Die Gewerkschaft „Verdi“ vermutet, dass das Engagement ihres Mitglieds Jungblut gegen den Flaggenwechsel sowohl der Reederei als auch deren neuem Eigner ein Dorn im Auge sei. „Jungblut ist ganz klar gesagt worden: Sie verlassen jetzt das Schiff“, sagte Bundesfachgruppenleiter Karl-Heinz Biesold.

Gauck wollte Freitag/Sonnabend das Schiff besuchen. Die Besatzung wolle ihm eine Petition überreichen, teilte „Verdi“ mit.

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