Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Campingplatz In Amelhausen Dieses Haus ist im wahrsten Sinne schräg

Amelhausen - Schiefe Wände, schräge Fenster: Wer sich ein Haus errichtet, möchte dies wahrscheinlich vermeiden. „Auf unserem Campingplatz Hunte-Camp in Amelhausen startet der Aufbau eines des wohl ungewöhnlichsten Gartenhäuser der gesamten Region“, berichtete Betreiber Stefan Rohe vor einigen Tagen. Und das Haus hat – schiefe Wände und schräge Fenster. Um einen Baufehler handelt es sich dabei aber nicht. Das vier Meter hohe, sechs Meter lange und 3,50 Meter breite Haus wird als Rezeption dienen, erklärt Rohe. Verantwortlich dafür sind Kai Schaede und Meike Wachholz. Sie beschreiben diese auffallenden Bauwerke als märchenhafte Holzhäuser.

Kontakt aufgenommen

Für gewöhnlich melden sich die Kunden bei ihnen, erklärt Wachholz, die mit ihrem Mann Kai Schaede die Manufaktur Casa Kaiensis mit Sitz in Herford (Nordrhein-Westfalen) gegründet hat und betreibt. Mit dem Amelhauser Campingplatz lief es anders. Durch Internetrecherchen stieß Wachholz auf das „Hunte-Camp“. „Die Webseite war mir sympathisch. Daraufhin habe ich Herrn Rohe angeschrieben.“ Sie fragte, ob er Interesse an einem Häuschen hätte. „Ich habe nur drei Sätze geschrieben. Er war sofort begeistert.“

Mit den fertigen Bauteilen ist das Ehepaar zusammen mit Mitarbeiter Maik Steinchen nach Amelhausen gereist. Damit errichtet das Paar zum ersten Mal ein „Casa Kaiensis“-Haus im Landkreis Oldenburg.

„Wir bauen immer märchenhaft, edel, viktorianisch“, beschreibt Schaede den Baustil. Dabei gilt es immer darauf zu achten: Das Bauwerk muss unter 30 Kubikmeter Bruttobauvolumen bleiben. „Ab 30 Kubikmeter braucht man eine Baugenehmigung“, so Wachholz.

Zu den Kunden zählen Campingplatzbesitzer, Kitabetreiber, aber auch Privatleute, die ein chices Gartenhäuschen haben wollen. Die Preise beginnen bei 8900 Euro. „Dann kann man sich noch etwas dazu bestellen“, erklärt Schaede. Sei es eine Gaube oder ein Zaun drumherum. Die Nutzung ist immer unterschiedlich: Der eine Kunde möchte sich einen Geräteschuppen einrichten, der andere eine Sauna. „Oft haben die Leute noch keine Vorstellung davon, wie das Haus aussehen soll“, sagt Wachholz. „Aber Kai sieht das Haus quasi schon stehen.“ Er fertigt eine Zeichnung an, lässt sie vom Kunden absegnen – und beginnt, die Einzelteile herzustellen.


Die Handwerke, die er und seine Frau gelernt haben, haben im Übrigen nichts mit Hausbauen zu tun: Die 45-jährige Meike Wachholz ist ausgebildete Konditorin. Außerdem hat sie sich zur Heilpraktikerin ausbilden lassen. Ihr Mann ist von Haus aus Zahntechniker.

Im Zuge der „Tiny House Movement“ mit Ursprung in den USA, hatte sich Schaede in 2008 ein kleines Haus im Garten errichtet. Anhänger dieser Bewegung setzen sich für das Leben in kleinen Häusern ein. „Zwei Jahre lang habe ich auf 15 Quadratmetern gelebt. Das große Haus habe ich in der Zeit vermietet.“ An die Zeit erinnert sich der 54-Jährige gerne zurück. „Es war wie Urlaub.“ Das Haus baute er auf eigene Faust. Dadurch brachte er sich grundlegendes Handwerk selbst bei. Auch, wenn ihm das Talent dafür offenbar nicht in die Wiege gelegt worden ist. „Ich habe zwei linke Hände“, gibt er zu. Die linken Hände hielten ihn nicht davon ab, weiterzumachen.

Plötzlich neuer Beruf

Nach 25 Jahren verließ er seinen Job als Zahntechniker, reiste ein Jahr quer durch Deutschland. „Ich habe so viele hässliche Wohnmobile gesehen.“ Daraufhin baute er sich ein eigenes, fahrbares, schiefes Häuschen. Zeitung und Fernsehen wurden auf den Hobbybaumeister aufmerksam. „Und plötzlich hatte ich einen neuen Beruf.“ Das war 2010.

Innerhalb von drei Tagen stecken die Bauteams in der Regel die Häuschen zusammen. Bei der märchenhaften Rezeption auf dem „Hunte-Camp“ soll es aber nicht bleiben. Geplant sei, auf dem Campingplatz Übernachtungshäuschen in diesem Stil zu bauen, erklärt Meike Wachholz.

„Man kann es auch selbst aufbauen“, erklärt sie. „Dazu gibt es ein 100-seitiges Handbuch.“ Ansonsten arbeiten fünf Teams à zwei Personen für die Manufaktur. Sie bauen die Häuschen vor Ort auf. „Wir lernen die Mitarbeiter selbst an“, sagt Wachholz. Vor allem müssen diese Begeisterung mitbringen – eine bestimmte Ausbildung ist nicht nötig. Wie auch? „Es gibt ja keine Ausbildung im Hexenhausbauen.“

Verena Sieling
Verena Sieling Redaktion Wildeshausen
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Komm in meine Arme: Die B-Juniorinnen der SpVg Aurich – hier im Spiel gegen den VfL Wolfsburg – wollen Sonnabend gegen Mönchengladbach den Grundstein zum Einzug ins Finale legen.

KAMPF UM DEUTSCHE MEISTERSCHAFT Aurichs Fußballerinnen hoffen im ersten Halbfinale gegen Gladbach auf 3500 Fans

Ingo Janssen
Aurich
Jubelt weiter für den VfB: Drilon Demaj

ALLROUNDER BLEIBT BEI FUSSBALL-REGIONALLIGIST Neu-Stürmer Drilon Demaj verlängert Vertrag beim VfB Oldenburg

Lars Blancke
Oldenburg
Mit zurzeit 51 Rudeln, vier Paaren und drei Einzelwölfen gilt Niedersachsen als Wolfsland. Die Gerichte haben hohe Hürden für einen Abschuss von Problemwölfen aufgebaut.

GERICHT ERHÖHT HÜRDEN Darum werden derzeit keine Problemwölfe in Niedersachsen getötet

Stefan Idel Büro Hannover
Lüneburg
Führungswechsel bei der GSG Oldenburg, Daniel Jircik wird neuer Geschäftsführer der GSG (v.l): Michael Thanheiser, OB Jürgen Krogmann, Daniel Jircik, Stefan Könner

DANIEL JIRCIK Warum der designierte GSG-Geschäftsführer in Stendaler Unternehmen fristlos entlassen wurde

Thomas Husmann
Oldenburg
Kommentar
Einweihung der Fahrradstraße mit prominenten Gästen (von rechts vorn): Zwischenahns Bürgermeister Henning Dierks, CDU-Landtagsabgeordneter Jens Nacke, Olaf Lies, Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, die Ammerländer Landrätin Karin Harms und SPD-Landtagsabgeordneter Björn Meyer Ende April.

FÖRDERUNG DES FAHRRADVERKEHRS Entwicklungsland Deutschland

Michael Sommer