Friesoythe - Turnschuhe und verwaschene Jeans sind an diesem Abend im Präsentationsraum bei Leoni Special Cables in Friesoythe nicht zu sehen: Bei den 17 Schülern des Friesoyther Albertus-Magnus-Gymnasiums dominieren Anzug und Krawatte, die vier Schülerinnen tragen hochhackige Schuhe, einige Kleider. Die Schüler, zumeist aus dem Wirtschaftsleistungskurs am AMG, haben sich freiwillig für das „Management-Information-Game“ (MIG) gemeldet. Eine Woche lang sind die 21 Schüler dabei in die Rolle dreier konkurrierender Aktiengesellschaften geschlüpft, um ein neues Produkt – Senioren-Brillen – auf den Markt zu bringen.

Die Schüler beschäftigten sich in den Räumen von Leonie – das Unternehmen beteiligte sich zum vierten Mal an dem Planspiel, zuletzt 2006 – mit Cash-Flow, Marketingstrategien oder Kalkulation. Auf die Tragweite ihrer Entscheidungen wies der MIG-Spielleiter Dale C. Drown die Schüler hin. Fatal sei es gewesen, als eine Gruppe das Einkommen der Mitarbeiter um 5000 Euro pro Jahr kürzen wollte, ohne den Betriebsrat zu beteiligen. Er lobte: Auch wenn den Schülern am Anfang „der Kopf geraucht“ habe, seien alle dabei geblieben.

Veranstaltet wurde das Planspiel vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft gemeinnützige GmbH, dem Bildungszentrum Oldenburg und dem Arbeitgeberverband Oldenburg in Kooperation mit der Oldenburgischen Landesbank. Höhepunkt für die „Jungunternehmer“ war der Präsentationsabend am Donnerstag vor Vertretern aus der lokalen Wirtschaft und Verwaltung, des AMG sowie Eltern, die in die Rolle von Einkäufern schlüpften und die Schüler nach der Präsentation mit Fragen zu Produkt und Unternehmen löchern durften.

Die erste Gruppe mit dem Unternehmensnamen „Momentum Optics“ präsentierte eine – fiktive – Seniorenbrille mit integriertem Hörgerät, Headset mit mp3-Funktion, Kamera, Autofokus, Massagebügeln und beheizbaren Brillengläsern, die über Rundfunk, TV-Spots, Printprodukte wie der NWZ  oder das Internet beworben werden sollte.

Das zweite Unternehmen „Roptic Solutions AG“ sah großes Marktpotenzial in ihrer „klassisch-eleganten“ Brille mit Solarpanel in den Bügeln und Gläsern, die sich automatisch der Sehstärke anpassen. Bei Sonneneinstrahlung färbten sich die Gläser dunkel – und das für 204,99 Euro im Einkauf.


„German TechOptic“ – der spätere Sieger – hatte sich die dritte Gruppe genannt. Sie stellte einen Brillen-Prototypen mit dem Titel „Vintage“ vor, der wahlweise mit einem integrierten Hörgerät geliefert werden kann. Der Clou: Die Brille verfüge neben einem Zoom und einem Autofokus über einen Alarmknopf, über den der Träger mit dem DRK verbunden ist.

AMG-Schulleiter Dr. Jens-Peter Green betonte, wie wichtig für Schüler ein Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen und unternehmerisches Handeln heute sei. „Schüler werden hier mit Herausforderungen konfrontiert, die wir als Lehrer nicht leisten können.“

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)