AMMERLAND - An solche Zahlen kann sich in der Arbeitsagentur Bad Zwischenahn niemand erinnern: Eine Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent in einem November weist die Statistik bisher nicht aus. Und auch das Jobcenter des Landkreises vermeldet „Rekorde“: Um mehr als 450 sei die Zahl der Bedarfsgemeinschaften innerhalb von zwei Jahren gesunken, die der Einzelpersonen im Leistungsbezug um gut 500, berichtet Geschäftsführer Ralf Geerdes. Erstmals auch liege die Zahl der Leistungsberechtigten mit 3960 unter 4000er-Marke.
Aktuell sind 2638 Menschen im Ammerland arbeitslos gemeldet, 1219 von ihnen im Bereich des Sozialgesetzbuches (SGB) III (Arbeitsagentur, ohne Rastede), 1419 beim Jobcenter (SGB II, mit Rastede). Klaus Leu, stellvertretender Leiter der Agentur-Geschäftsstelle, und Wolfgang Meier vom Arbeitgeber-Service weisen auf das günstige Wetter hin. Viele befristete Verträge im grünen Bereich und in der Baubranche seien verlängert worden.
„Der Arbeitsmarkt entwickelt sich allen Hiobsbotschaften zum Trotz positiv“, so Leu mit Blick auf Euro-Krise und Rezessionsängste. Im November waren 402 Arbeitsstellen gemeldet, 70 mehr als im November 2010.
Dennoch blicken Agentur und Jobcenter mit etwas Sorge ins kommende Jahr. So werde die Entgeltsicherung bei Arbeitslosen wohl ersatzlos gestrichen, kündigt Meier an. Sie ermöglicht eine Aufstockung bei der Annahme schlechter bezahlter Jobs. Und das Jobcenter muss ambitionierte Ziele erfüllen: die Integration um 6,6 Prozent erhöhen, zugleich aber den Langzeitbezug verringern – und das mit geringeren Finanzmitteln.
Sorge macht den Arbeitsmarktexperten vor allem der Bereich der Älteren ohne Beschäftigung. Jeder dritte Arbeitslose im Ammerland ist über 50 Jahre alt. Für Ältere werde das Jobcenter das Programm „50 plus“ fortsetzen, betont Geerdes. Erneut 100 Arbeitslose können durch dieses Programm ihre Chancen auf Vermittlung steigern.
Und Leu sieht noch eine Gefahr, die vor allem Arbeitgebern drohen könnte: Künftig werde es schwieriger, Kräfte zu entlassen, in der Hoffnung, sie nach ein paar Monaten wieder einstellen zu können. „Sobald jemand einen Arbeitgeber findet, der einen Euro mehr zahlt, ist der weg“, mahnt er ein Umdenken bei den Betrieben an.
