Ammerland/Bad Zwischenahn - Fünf Wochen befanden sich große Teile des Einzelhandels im Ammerland zwangs- und wohl auch nötigerweise wegen der Corona-Pandemie in einer Art Dornröschenschlaf. Am Montag folgte nach den von der Landesregierung verordneten Lockerungen für den Einzelhandel das langsame Erwachen. Etwas schläfrig zeigte sich zunächst die Flaniermeile in Bad Zwischenahn, an der es die größte Ansammlung von Einzelhändlern im Ammerland gibt. Überall gelten strenge Schutzmaßnahmen: An den Türen hängen Hinweisschilder, die auf Mindestabstand, maximale Kundenanzahl im Laden und Hygienevorschriften hinweisen. Einige Geschäfte bieten kostenfreie Atemschutzmasken an.

Viele Kunden begrüßen die Wiedereröffnung, einige waren mit Mundschutz unterwegs. Für die Mitarbeiter in vielen Geschäften sind diese vorgeschrieben. „Es ist in Ordnung, dass die Läden wieder aufmachen. Alle müssen aber sehr vorsichtig sein und sich an die Vorschriften halten“, sagt Erika Uhlrich, die in der Peterstraße unterwegs war.

Bei ihren Erledigungen haben es die Bad Zwischenahner vor allem auf Zerstreuung abgesehen. Annette Graf shoppt in einer Modeboutique nach Klamotten: „Dabei bekommt man den Kopf frei.“ Vor der Buchhandlung Thalia steht Lothar Cramer mit einem Buch in der Hand. „Ich hatte überhaupt nichts mehr zum Lesen zu Hause“, sagt er. Trotz des schönen Wetters stört Margot Schönwald ihre Schutzmaske nicht: „Ich freue mich, endlich mal wieder unterwegs sein zu können.“ Sie ist mit dem Fahrrad einkaufen gefahren und hat sich nach „ein bisschen Kleinkram“ umgeschaut.

Betroffen von der Wiedereröffnung sind auch Fahrradläden, wie der von Hans und Hermann Hedenkamp. „Vorher waren die Verkaufsflächen abgesperrt“, berichten sie. In der Werkstatt hätten sie vor allem Fahrräder von älteren Menschen repariert. „Die haben ihre Fahrräder in der Corona-Krise aus dem Keller geholt, um damit einzukaufen.“

Auswärtige sind auf der Straße wohl nicht anzutreffen – darunter leidet der Handel. „Für uns ist das Corona-Virus eine Katastrophe. Hier im Kurort ist das Ostergeschäft wichtiger als Weihnachten – verkauft haben wir aber nichts“, sagt Brigitte Hellwig von Spielzeug Hellwig, die an ihrer Kasse hinter einer Plexiglasscheibe steht. Das Wechselgeld gibt sie in einer Schale aus.


Mit den Urlaubern fällt zudem eine der wichtigsten Einnahmequellen des Zwischenahner Einzelhandels weg. Hotels und Pensionen dürfen weiterhin keine Besucher aufnehmen. Deshalb appellieren Hellwig und andere Kaufleute an die Kunden, die Geschäfte vor Ort zu unterstützen: „Bad Zwischenahn steht und fällt mit dem Einzelhandel.“

Arne Erik Jürgens
Arne Erik Jürgens Thementeam Polizei/Justiz