AMMERLAND - Schmetterlinge schweben von Blüte zu Blüte, dazwischen summen unzählige Bienen herum: So sollte im Idealfall eine Wiese aussehen. Tatsächlich aber gibt es immer weniger Lebensraum für Insekten. „Imker haben uns angesprochen. In Deutschland sind mehr als die Hälfte der ursprünglich 550 Bienenarten im Bestand gefährdet“, berichtet Dr. Tatjana Hoppe vom Landvolkverband Ammerland. Bedroht sei neben wildlebenden Bienen auch die Honigbiene. Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund gebe einen Rückgang von 25 Prozent an.
Zu den Gründen zählen die zunehmende Versiegelung der Landschaft, das rückläufige Nahrungsangebot, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die Zunahme von Krankheiten und Schädlingen. Da die bestäubenden Insekten aber eine zentrale Rolle im Ökosystem spielen und nicht zuletzt auch für die Befruchtung von zahlreichen Obst- und Gemüsesorten wichtig sind, haben Naturschützer Alarm geschlagen.
Wie berichtet, beschäftigt sich seit August 2008 ein auf Initiative des Landkreises Ammerland eingerichteter Arbeitskreis mit der Frage, wie man mehr Lebensräume für Blüten besuchende Insekten schaffen könnte. Darin zusammengeschlossen haben sich die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises, das Hautflüglerberaternetz und das Umweltbildungszentrum. Außerdem wirken die Ammerländer Gemeinden, der Kreisimkerverband, der Ammerländer Landvolkverband sowie die Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau der Landwirtschaftskammer mit. Aktiv sind außerdem Naturschutzgruppen, die Ammerländer Jägerschaft, etliche Landwirte und die Baumschule Bruns.
Das Pilotprojekt ist erfolgreich und findet immer mehr Anhänger, wie die Zahlen belegen. So hatten sich im vorigen Jahr sechs Landwirte bereit erklärt, auf ihren Flächen 1000 bis 3000 Quadratmeter große Blühstreifen anzulegen, in diesem Jahr waren es bereits zwölf. „Das zeigt, wie engagiert die Landwirte sind. Denn sie befinden sich ja aktuell in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation und haben mit niedrigen Erzeugerpreisen für ihre Produkte zu kämpfen“, betont Hoppe.
Einige der Flächen haben sich zu einer kleinen Attraktion für Spaziergänger und Touristen entwickelt, so vielfältig sind die darin wachsenden Blumen. Sie leuchten in allen Farben und ziehen, wie beabsichtigt, zahlreiche Insekten an. „Die Mischung enthält 22 Arten, darunter 40 Wildkräuter“, berichtet Hoppe. Sonnenblumen, Kamille, Kornblumen, Mohn oder auch Borretsch stehen derzeit in voller Blüte. Während der gesamten Vegetationsperiode soll den Bienen und anderen Insekten Nahrung zur Verfügung stehen.
Flankiert wird die Aktion von Aktivitäten in den sechs Ammerland-Gemeinden. Hier haben sich Verwaltung und Ortsbürgervereine bereit erklärt, auf öffentlichen Grünflächen, an Straßenrändern oder in Baugebieten ebenfalls eine Blühmischung anzusäen. Großflächigen Lebensraum für Insekten haben darüber hinaus der Imkerverein und die Ammerländer Jägerschaft geschaffen. Aktivitäten gibt es auch in Schulen und Agenda-21-Gruppen, die zusätzlich Insektenhotels aufgestellt und Flächen eingesät haben.
Nun hofft Hoppe darauf, dass Baumschulbetreiber und Landwirte der angrenzenden Areale bei der Auswahl ihrer Pflanzenschutzmittel auf Bienenverträglichkeit achten. So könnten die Blühstreifen auch langfristig zu einem Paradies für bestäubende Insekten werden.
