AMMERLAND - Der Jeddeloher Zia Farsin, der die Organisation lange leitete, will helfen. Die „Vorgänge sollen lückenlos aufgeklärt werden“ und die Integrationsarbeit soll fortgesetzt werden.
Von Doris Grove-Mittwede
AMMERLAND - Der Deutsch-Ausländische Freundschaftsverein (DAF) steckt in der Krise: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen den ehemaligen Kassenwart, Richard Wilts. Das bestätigte auf Anfrage der NWZ der Sprecher der Oldenburger Staatsanwaltschaft, Dr. Rainer du Mesnil de Rochemont. Die Ermittlungen liefen.„Im Juli 2006 ist Herr Wilts von seinem Amt zurückgetreten“, berichtet der 2. Vorsitzende des Vereins, Kingsley Diores, in einem Pressegespräch in Jeddeloh I. „Wir haben Günter Frenzel, einen Kaufmann, zum kommissarischen Kassenwart bestimmt.“
„Es war äußerst schwierig, einen Überblick über die Einnahmen und Ausgaben des Vereins zu bekommen“, sagt Frenzel. „Die Unterlagen sind nicht vollständig, viele Belege falsch abgeheftet oder überhaupt nicht vorhanden. Beträge wurden von verschiedenen Konten hin- und her überwiesen. Am Ende stellte sich heraus, dass in der Kasse ein fünfstelliger Betrag fehlt.“
„Es ist jedoch eine Summe, die knapp über einer vierstelligen Summe liegt“, ergänzt Hildegard Behrens, neue Leiterin des Controlling beim DAF. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Herbst vergangenen Jahres seien die Kassenprobleme erörtert worden. Damals wurde auch beschlossen, die Polizei einzuschalten und Anzeige zu erstatten.
„Wir hoffen, dass die Staatsanwaltschaft einen vereidigten Rechnungsprüfer bestellt, der alle Unterlagen sichtet“, sagt der 2. Vorsitzende Kingsley Diores und gesteht ein, dass „wir im alten Vorstand Fehler gemacht und zu wenig Kontrollfunktionen ausgeübt haben.“
„Ich habe kein Geld aus der Kasse genommen“, erklärte der ehemalige DAF-Kassenwart Richard Wilts auf Anfrage der NWZ . „Alle Vorstandsmitglieder hatten Zugriff auf die Kasse und einige haben auch mit den Geldern gearbeitet“, so der Zwischenahner. Nicht nur er allein, sondern der gesamte Vorstand sei verantwortlich. „Es war ein heilloses Durcheinander. Welche Aufgaben die einzelnen Vorstandsmitglieder und der Geschäftsführer hatten, war nie klar“, so Wilts. Gleichwohl sehe er sich in der Verantwortung. Nicht als „Schuldeingeständnis, sondern um die „wertvolle Arbeit des Deutsch-Ausländischen Freundschaftsvereins zu unterstützen“, spende er dem DAF jetzt monatlich einen gewissen Betrag. Bis zur Klärung aller Vorgänge im DAF und wegen des laufenden Ermittlungsverfahren lässt Wilts, der erst kürzlich zum Schriftführer des SPD-Ortsvereins Westerstede gewählt wurde, seine dortigen Pflichten ruhen.
„Der DAF ist zwar in einer schweren Krise, aber weil Integrationsarbeit gerade in der heutigen Zeit so wichtig ist, muss jetzt alles getan werden, damit der Verein verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnt. Alle Vorgänge müssen lückenlos aufgeklärt werden“, sagt Aga Zia Farsin. Der deutsch-afghanische Ingenieur und Berufsschullehrer aus Jeddeloh I hat den 1989 gegründeten Verein mit aufgebaut, viele Jahre lang geleitet und ein „wohlgeordnetes Haus“ abgegeben. Der Jeddeloher hat bereits ein Konzept mit klar abgegrenzten Vorstandsaufgaben und „Integrationlotsen“ bei der Integrationsarbeit entwickelt.
Thematisiert werden dieses und Fragen rund um das Ermittlungsverfahren am Donnerstag, 15. März. Im Westersteder „Haus der Begegnung“ findet ab 20 Uhr die Jahreshauptversammlung statt.
