Bornhorst - Der Deich verläuft an der Hunte und schützt den Moorhauser Polder vor Überschwemmungen – zumindest bis zu einer Höhe von 2,95 Meter über Normalnull. Dieser Deich ist auf einer Länge von 150 Meter um bis zu 35 Zentimeter abgesackt. Deshalb lässt der II. Oldenburgische Deichband mit Sitz in Brake den Deich auf einer Strecke von insgesamt 800 Meter erhöhen.

5000 Kubikmeter Kleiboden lässt Verbandsvorsteher Burchard Wulff dieser Tage auffahren. Der Moorhauser Polder dient als Hochwasserentlastungspolder für die Hunte. Der Polderdeich wurde 1973 im Zuge des Sperrwerksbaus in Elsfleth an der Hunte im Bereich des Moorhauser Polders vor den Toren Oldenburgs angelegt.

Die seinerzeit planfestgestellte Höhe von 2,95 Meter ist in den vergangenen 40 Jahren durch Setzungen und Sackungen des Deichkörpers auf der gesamten Länge nicht mehr vorhanden. Das hat zur Folge, dass die Polderflächen im Hochwasserfall viel zu früh volllaufen.

Landschaftswart Jörg Grützmann fürchtet deshalb um den Bestand des gesamten EU-Vogelschutzgebiets Hunteniederung (zu dem die Stadtoldenburgischen Bornhorster Wiesen gehören). „Das EU-Vogelschutzgebiet (V 11 Hunteniederung) gilt in Deutschland als eines der Vorzeigeprojekte im Schutz der Vogelwelt“, schreibt Grützmann in einer Stellungnahme. Dies darf nicht durch fragwürdige Deicherhöhungen gefährdet werden.

Fragwürdig ist aus seiner Sicht als Wasserbau-Ingenieur, dass die Polderwirkung für die Hochwasserretention für den Moorhauser Polder nur bei etwa zwei Millionen Kubikmeter liegt, während die gesamte Kapazität aller Hochwasserschutzpolder für die Stadt Oldenburg zusammen genommen bei über 26 Millionen Kubikmeter liegt.


Grützmann: „Außerdem sollte ursprünglich immer der Moorhauser Polder als Unterlieger bei eher kleinen Hochwässern die erste Funktion des Hochwasserschutzes übernehmen. Nimmt man diesem Polder die Einlaufmöglichkeit, so wird der der Stadt Oldenburg näher liegende Polder Bornhorster Huntewiesen geflutet.“

Seit fast 15 Jahren wird laut Grützmann zwischen dem Landkreis Wesermarsch und der Stadt Oldenburg ein Naturschutzmanagement umgesetzt. Durch den Moorhauser Polder wird den in den Bornhorster Wiesen lebenden Vögeln die längst nicht mehr überall vorhandenen Überlebensmöglichkeiten durch die Nahrungsaufnahme in den Wasserflächen des Moorhauser Polders gegeben. „Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, wie wichtig der im Winterhalbjahr unter Wasser stehende Moorhauser Polder ist“, so Grützmann weiter.

Nun würde durch die Deicherhöhung der über Jahrzehnte in den Winterhalbjahren unter Wasser stehende Moorhauser Polder trocken fallen und so für die Vogelwelt der Bornhorster Wiesen als Nahrungsreservoir nicht mehr zur Verfügung stehen.

Der Moorhauser Polder ist ein Naturschutzgebiet und 99 Hektar groß. Das Naturschutzgebiet hat eine besondere Bedeutung als Refugium für die Tier- und Pflanzenwelt. Die im Herbst und Winter oft überschwemmten Wiesen sind ein wichtiges Rastgebiet für durchreisende Zugvögel. Im Westen durchzieht die Wulfsgraft den Polder. In ihrem Bereich liegen auch mehrere stehende Gewässer. Das Gebiet steht seit dem 11. Dezember 1982 unter Naturschutz.

Auf Nachfrage der NWZ  beruhigt Wulff den Landschaftswart. Die Mooriem-Ohmsteder Sielacht werde mit ihren Entwässerungssystemen dafür Sorge tragen, dass der Moorhauser Polder auch zukünftig im Winter unter Wasser stehen wird.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg