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Erlebnis Anderen Menschen mehr Mut machen

Anke Wöbken

Zetel - „Schade, dass die Fahrt vorbei ist.“ Das sagt Ulrike Siefken aus Zetel. 464 Kilometer ist sie mit dem Fahrrad alleine die Weser entlang von Zetel bis Eschershausen (Landkreis Holzminden) gefahren. Nun klingt die Strecke für einen passionierten Radfahrer nicht allzu spektakulär – und doch war die Tour für Ulrike Siefken ein besonderes Erlebnis. Die Fahrt hat sie ihrer Mutter gewidmet.

„Vieles geändert“

„Vieles hat sich geändert im Leben“, sagt Ulrike Siefken. Ausschlaggebend war eine schwere Krankheit. Die Diagnose vor etwa vier Jahren lautete: Krebs. Ulrike Siefken hatte Glück, sie hat den Krebs besiegt.

Schon lange vor der Diagnose hegte sie den Traum, die Fahrradtour in ihre alte Heimat zu verwirklichen. Ihrer Mutter gegenüber hat sie noch vor drei Jahren, bereits nach der Krankheit, fest versichert, dass sie sie mit dem Fahrrad in Eschershausen besuchen kommen würde, doch dazu kam es dann nicht mehr. Ihre Mutter verstarb nur vier Wochen nach diesem Gespräch.

Obwohl Ulrike Siefken infolge ihrer Krebserkrankung wöchentlich auf Lymphdrainage angewiesen ist und unter gesundheitlichen Einschränkungen leidet, sagte sie sich: „Trotzdem, irgendwie schaffst du das.“ Seit dem Frühjahr trainierte sie mit ihrem zehn Jahre alten Damenfahrrad, das über sieben Gänge verfügt, und ließ es zudem von einem Zweiradexperten generalüberholen. Mitte September fuhr sie dann los, direkt ab Haustür in Zetel, mit Minimalgepäck in den Satteltaschen, gutem Kartenmaterial am Lenker und einem Handy in der Tasche.

„Es hat alles geklappt“, sagt die 58-Jährige. „Es war eine tolle Erfahrung, es alleine zu machen. Man kriegt den Kopf frei, kann sich ganz auf die Natur einlassen und Kraft schöpfen.“ Sie ist dem Wasserlauf gefolgt, von Zetel zunächst nach Elsfleth, Lemwerder und mit der Fähre nach Vegesack, dann immer weiter flussaufwärts, über Minden bis nach Eschershausen. Fünf Tage lang war sie unterwegs, hat sich in ihren Etappen nicht unter Druck gesetzt und ihre Herbergen auf der Route frei gewählt. „Es ging mir nicht um sportliche Höchstleistungen“, sagt sie. Viele freundliche Menschen traf sie auf ihrer Strecke, viele gaben noch Tipps für den Weg. Am Ziel angekommen besuchte sie zunächst das Grab ihrer Eltern, genoss das Wiedersehen mit ihren beiden Schwestern – und nahm noch einen zuvor extra organisierten Termin zur wieder fälligen Lymphdrainage wahr, bevor ihr Mann sie samt Fahrrad mit dem Auto abholte.


Weg selbst finden

„Ich möchte anderen Menschen Mut machen, die sagen, das schaffe ich nicht“, betont Ulrike Siefken. „Jeder muss für sich selbst herausfinden, welchen Weg er geht“, erklärt sie. „Aber man sollte sagen: Ich mache das jetzt, ich probiere es aus.“ Radtouren beispielsweise gebe es alternativ auch für Gruppen, auch geführt oder mit Gepäckservice von Herberge zu Herberge.

Ulrike Siefken jedoch möchte ihre Wege und Haltepunkte lieber selbst bestimmen. „Es ist nicht meine letzte Radtour gewesen. Und ich möchte gerne wieder alleine fahren.“

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