Hude/Berne - „Die Mitglieder unserer Gesellschaft werden älter, damit steigt auch die Zahl der demenzkranken Menschen. Sie in den eigenen vier Wänden zu betreuen, ist eine Wahnsinnsarbeit“, sagt Vera Reinke. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin der Diakonie-Sozialstationen Hude und Stedingen weiß, wovon sie spricht. Während ihres Erwerbslebens war sie Mitarbeiterin der Station, jetzt engagiert sie sich ehrenamtlich in der Betreuung Demenzkranker.
Wichtige Entlastung
Dank Vera Reinke bekommen die Angehörigen einiger Demenzkranker eine Atempause – so heißt auch das Projekt, in dem sie sich engagiert. Einmal pro Woche kommt sie ins Haus, betreut die kranke Person und gibt so den Angehörigen die Chance, mal etwas für sich machen zu können. „Immer vor Ort sein zu müssen, ist anstrengend“, erzählt Vera Reinke.
Es sei wichtig, einen Zugang zu den kranken Menschen zu finden, erläutert sie. Vera Reinke hat sich im Laufe ihrer Tätigkeit dazu Strategien erarbeitet. In ihrem Gedächtniskoffer hat sie viele Gegenstände und Dinge, mit denen die Kranken vielleicht etwas verbinden können. „Wenn ich die Biografie der Menschen kenne, ist es leichter“, erzählt sie. Zu einer älteren Frau bekam sie den Zugang über eine alte Kaffeemaschine, zu einer anderen Person über ein Stück Torf. Hiermit verbanden sie Erinnerungen; über sie schaffte es die Betreuerin, dass Demenzkranke sie erkannten.
Während der Betreuungszeit macht Vera Reinke Spaziergänge mit den ihr Anvertrauten, bleibt in einer Umgebung, die vertraut ist. „Da fühlen sie sich wohl“, erklärt sie.
Und sie macht Angehörigen von Demenzkranken Mut, zu offenbaren, dass ein Familienmitglied krank ist. „Wenn das soziale Umfeld darüber Bescheid weiß, ist es auch für die Angehörigen leichter“, weiß sie aus Erfahrung.
Demenzkranke leben in ihrer eigenen Welt, können sich teilweise aber noch an Ereignisse erinnern, die lange zurückliegen. Über sie kann ein Betreuer Zugang zu dem Kranken finden. Dieser erinnert sich und erzählt – oft immer das gleiche. Vera Reinke hört sich das zwei Stunden an, die Angehörigen tagtäglich.
Die Betreuerin liebt ihre Arbeit, von der vor allem die Angehörigen profitieren, indem sie eine Pause zum Luftholen bekommen.
Angehörigen helfen
Sie weiß aber auch, dass noch viel mehr Menschen sich engagieren müssten, um demente Menschen einmal pro Woche zu betreuen. „Wir helfen den Interessierten auf dem Weg dorthin“, erklärt Sabine Rowehl. Die stellvertretende Pflegedienstleitung der Sozialstation Stedingen ist Koordinatorin des Projektes „Atempause“. An sie können sich einerseits Angehörige um Hilfe wenden.
Auf der anderen Seite betreut sie Schulungen, in denen Ehrenamtliche auf ihre Aufgabe zur Betreuung Demenzkranker vorbereitet werden. Sie hofft, dass noch mehr Mitmenschen Interesse an dieser Arbeit haben – zum Wohl der Demenzkranken, deren Angehöriger und nicht zuletzt zur eigenen Freude.
