Im Nordwesten - Der Flug ist bereits gebucht: In zweieinhalb Wochen fliegt eine große Delegation der Vierol AG in die USA. Dort hat das Oldenburger Unternehmen ein Büro. Dass US-Präsident Donald Trump Einreiseverbote für viele Muslime ausgesprochen hat, lässt auch die hiesigen Unternehmer mit Sorge auf den wichtigen Wirtschaftspartner blicken.
„Bei der anstehenden Reise gibt es zwar keine Probleme“, sagt Vierol-Vorstand Jürgen Kiese. Zur Reisegruppe gehöre niemand mit einer doppelten Staatsbürgerschaft. „Aber für uns, die sonst frei durch Europa reisen können, ist so etwas natürlich befremdlich.“ Viel größer ist bei Vierol allerdings die Sorge, dass Produkte mit höheren Zöllen verteuert werden könnten.
Von direkten Auswirkungen durch die Trump-Politik für Unternehmer aus Niedersachsen hört man bislang noch nichts. Bisher seien keine Fälle von Mitarbeitern bekanntgeworden, die an der Einreise in die USA gehindert wurden, teilten Konzerne wie Conti (Hannover) oder Volkswagen (Wolfsburg) mit. Ein Conti-Sprecher betonte jedoch: „Als global agierendes Unternehmen sind wir für internationale Reisen unserer Mitarbeiter auf flexible Einreisebestimmungen angewiesen.“ Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD/Sande) sagte: „Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie bei Terminen in den USA sehr genau auswählen müssen, wer diesen Termin wahrnehmen kann.“
Die Stimmung bei vielen Unternehmern ist daher angespannt. „Die Vorhaben des neuen Präsidenten beunruhigen unsere Unternehmen und den Wirtschaftsstandort insgesamt sehr“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), Volker Müller, am Montag. „Trumps Politik der Abschottung und Diskriminierung macht uns sprachlos. Eine solche Haltung passt nicht in eine offene, globalisierte Welt.“
Dieser Meinung ist auch Malte Smolna, Geschäftsführer bei Cetex-Rheinfaser aus Ganderkesee und Vorsitzender des Exportleiterkreises der Oldenburgischen IHK. Geschlossene Grenzen seien fürs Geschäft hinderlich. Zwar sei Cetex selbst kaum in den USA präsent. „Aber viele unserer Kunden aus der Autoindustrie sind dort aktiv“, sagt Smolna. Und wenn es oben in der Kette Probleme gäbe, würde man dies irgendwann auch weiter unten merken.
