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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

INTERVIEW: Anleger müssen sich mehr mit Geldmarkt befassen

26.01.2010

Von Rüdiger zu Klampen

Frage: Frau Rublack, Sie beraten für die Verbraucherzentrale Niedersachsen auch im Oldenburger Land Bürger gegen Honorar unabhängig in Sachen Geldanlage und Versorgung. Aktuell bekommen die Deutschen für die besonders beliebten Bundeswertpapiere maximal um drei Prozent Zinsen. Das ist doch wohl sehr mickrig, oder?

Rublack: Kommt drauf an. Der niedrige Nominalzins relativiert sich, wenn man Sicherheitsaspekte mit einbezieht. Außerdem ist zur Zeit auch die Teuerungsrate sehr niedrig. Der sogenannte Realzins ist deshalb gar nicht ungewöhnlich mickrig.

Frage: Also, wer jetzt Geld anlegen will – Bundesanleihen kaufen?

Rublack: Die gesamtwirtschaftliche Situation ist zur Zeit schwer einschätzbar. Bundesanleihen werden an der Börse gehandelt. Kommt es zu einem Zinsanstieg an den Märkten, fallen die Kurse der Anleihen. Das ist ungünstig, wenn man die Papiere vor Laufzeit-Ende verkaufen möchte.

Frage: Also kurzfristiger anlegen?

Rublack: Kurzfristige Bundespapiere etwa mit bis zu zweieinhalb Jahren Laufzeit oder Festgeld bieten zur Zeit Vorteile, auch wenn man relativ wenig Zinsen kassiert: man kann sich erst einmal zurücklehnen und beobachten, ob die Zinswende nach oben kommt – und dann unter Umständen langfristiger mit höheren Zinsen investieren.

Frage: Wenn man jetzt schon höhere Zinsen will, könnte man doch zum Beispiel in Firmenanleihen von großen Konzernen investieren, oder?

Rublack: Wenn es in das Gesamtkonzept passt, kann man das grundsätzlich erwägen und sich auch an Anlagen mit höheren Chancen und Risiken heranwagen.

Frage: Da sollte man sich ja wohl beraten lassen. Ist die Bankberatung nach der Finanzkrise und der Lehman-Pleite als spektakulärstem Totalverlust aus Sicht der Verbraucherzentrale besser geworden?

Rublack: Eine Untersuchung von Stiftung Warentest hat unterm Strich ergeben, dass viele Banken kaum etwas gelernt haben. Der reine Produktverkauf steht immer noch im Vordergrund. Dabei müsste zuerst gründlich geklärt werden, welche Mittel wie lange und für welchen Zweck zur Verfügung stehen – und wie die Risiko-Neigung ist.

Frage: Müssen sich nicht auch die Kunden selbst verändern?

Rublack: Auch das ist ein Aspekt. Jeder muss selbst Verantwortung für seine Kapitalanlagen übernehmen. Mancher macht es sich zu einfach und zeichnet Papiere, die er nicht versteht. Man muss nachfragen und sich mit der Materie beschäftigen.

Frage: Relativ unpopulär sind in Deutschland Aktien und Fonds. Zu Recht?

Rublack: Nein, diese Anlageformen bergen ja auch Chancen. Bevor jemand einsteigt, muss er sich aber mit seinen Zielen, seinem Zeithorizont und seiner Risikobereitschaft befassen. Kann er Börsenkrisen aussitzen? Je mehr Zeit – etwa bis zum Ruhestand – zur Verfügung steht, desto eher kann man grundsätzlich auch Aktien bzw. Fondsanteile kaufen. Viele Leute können es ohne diese Anlage-Medien, mit denen man auch die besonders aussichtsreichen Finanzmärkte erreichen kann, künftig kaum mehr schaffen, sich selbst ein Vermögen aufzubauen.

Frage: Ihre optimale Strategie?

Rublack: Die steht auf mehreren Beinen und beginnt bei einer staatlich geförderten privaten Vorsorge und idealerweise einer Ergänzung über den Betrieb. Wenn man bereits eine kurzfristig verfügbare Rücklage hat, kann man zusätzlich in ausgewählte Märkte investieren.

Frage: Ist man als Kunde nach den gesetzlichen Änderungen zum Jahreswechsel ausreichend abgesichert – Stichwort: Protokollpflicht bei Beratungsgesprächen?

Rublack: Das Wertpapierhandelsgesetz regelt inzwischen, dass dem Kunden nach der Anlageberatung ein Protokoll ausgehändigt werden muss. Insofern können die Verbraucher jetzt auch prüfen, ob sie und der Berater von gleichen Voraussetzungen ausgehen. Unterschriften unter Verträge sollten erst erfolgen, wenn alle Komponenten verstanden worden sind. Denn die Beweispflicht liegt, wenn etwas schief läuft, weiterhin bei den Kunden.

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