Holzhausen - Die Anlieger nahmen kein Blatt vor den Mund: „Wir haben die Straße doch schon einmal bezahlt“, sagte Cord Brockmeyer. „Der Kreis hat sich an uns bereichert“, wies Glenn Mahlstedt auf den überörtlichen Charakter hin. „Leider hat es die Stadt damals verschlafen, die Straße rechtzeitig an den Kreis abzugeben.“ Dem Gast aus Hannover war spätestens durch die Anfahrt der marode Zustand der Straße bewusst.
Auf Einladung des FDP-Landtagsabgeordneten Christian Dürr (Ganderkesee) und der FDP-Kreistagsfraktion mit Ernst-August Bode an der Spitze informierte sich Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode am Donnerstag über die arg strapazierte Dorfstraße in Holzhausen. Sie verbindet die L 873 (Visbeker Straße) mit der B 213 (Ahlhorner Straße) und übernimmt die Funktion einer Kreisstraße, wie die Anlieger verdeutlichten. Sie können nicht verstehen, dass sie erneut zur Sanierung der Schlaglochpiste zur Kasse gebeten werden sollen. Die Gesamtkosten für den Ausbau liegen bei 1,65 Millionen Euro, wie Jens Kuraschinski, allgemeiner Vertreter des Bürgermeister, erläuterte. 30 Prozent sollen 28 Anlieger aufbringen. Für eine Sanierung in Abschnitten seien im Haushalt bis 2015 rund 811 000 Euro eingeplant. Anträge der Stadt auf Fördermittel waren immer wieder abgewiesen worden.
Der Streit, ob der Kreis die Gemeindestraße übernehme, müsse vor Ort gelöst werden, erklärte Minister Bode. Das Jahresbauprogramm des Landes sei aber „nicht statisch“. Eine mögliche Förderung des Ausbaus hänge auch nicht von einem Radweg oder den Verkehrszahlen ab. Es sei verständlich, dass angesichts des maroden Zustands das Verkehrsaufkommen sinke. Auch Dürr machte den Anliegern Hoffnung: Wenn es Mittel aus dem „Entflechtungsgesetz“ gäbe, werde „jeder Cent, der aus Berlin kommt, an die Kommunen weitergeleitet“.
Minister Bode empfahl, den Kreis beim Antrag auf Fördermittel mit ins Boot zu holen und die „besondere verkehrliche Bedeutung“ attestieren. „So ein Brief hilft da meistens“, meinte er. FDP-Fraktionschef Bode kündigte eine entsprechende Initiative an. Die Anlieger zeigten sich durchaus zufrieden mit dem Besuch. Er sei „nicht zum Nachteil“ gewesen, so Günther Reineberg. Und Mahlstedt meinte: „Wir sind für jeden Anfang dankbar.“
Verwundert zeigte sich der Minister am Rande jedoch, dass der Bauhof noch am Vortag Löcher in der Straße geflickt habe (die NWZ berichtete). Das sei andernorts nicht üblich, wenn man einen Minister überzeugen wolle. „In Wildeshausen gehen die Uhren anders“, klärte Hergen Stolle seinen Parteifreund auf.
