Bösel - Hohe Wellen hatte eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zu Antibiotika-Resten im Grundwasser geschlagen. Erhöhte Werte waren in mehreren Grundwasser-Messstellen in den Kreisen Cloppenburg, Vechta und Grafschaft Bentheim gefunden worden.
Jetzt informierte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) über den weiteren Ablauf der Untersuchungen des Grundwassers auf Antibiotikarückstände. In einem gemeinsamen Projekt wollen – wie berichtet – Landwirtschaft und Wasserwirtschaft ihre Zusammenarbeit in den Kreisen Cloppenburg, Vechta und Emsland weiter vertiefen und die Herkunft und die Eintragspfade von Antibiotika aufklären, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Pressemitteilung.
An der Spurensuche beteiligen sich neben dem Landvolk, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem NLWKN auch die Landkreise und Wasserversorger sowie das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Dabei werden sowohl gezielt Grundwasserproben auf landwirtschaftlichen Flächen und Höfen als auch alternative Eintragspfade wie Kleinkläranlagen untersucht – so auch am Brunnen in Bösel.
Zeitliche Schwankungen
Auslöser für das Projekt war – wie berichtet – eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) aus den Jahren 2011 bis 2013, die an sechs von 20 Messstellen in Niedersachsen Antibiotika im Grundwasser feststellte; wobei die Werte große zeitliche Schwankungen und unterschiedlichste Konzentrationen aufwiesen. Die Untersuchungsflächen wurden so gewählt, dass sie eine Fließstrecke von möglichen Antibiotika vom Boden ins Grundwasser innerhalb von circa fünf Jahren aufweisen.
Um den Zusammenhang von früher eingebrachten Stoffen und heutigen Funden im Grundwasser aufzuklären, sind die Betriebsangaben der Landwirte ausschlagegebend: „Ohne diese Offenheit der Landwirtschaft wäre das Projekt nicht möglich“, sagte Dr. Romuald Buryn vom NLWKN in Cloppenburg.
Anlässlich eines Besuchs in der Region am Dienstag in Bösel lobte auch die Niedersächsische Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz (Grüne) die Bereitschaft der Landwirtschaft mitzuwirken: „In unserem Agrarland brauchen wir unbedingt Lösungen, um die Belange der Umwelt und der Landwirtschaft in Einklang zu bringen, und diese können wir nur gemeinsam finden.“ Parallel zu den Boden- und Grundwasseruntersuchungen werden auch Wirtschaftsdünger, Gülle und Gärreste beprobt, um weitere Daten zu sammeln.
Auch hierfür sei die Mitwirkung der Landwirtschaft entscheidend, hieß es: Durch Untersuchungen des Bodens und der Drainageauslässe wird auch der direkte Pfad in die oberirdischen Gewässer analysiert. „Dafür müssen die Landwirte ihre Flächen zugänglich machen. Hierfür setzen wir uns ein“, erklärte Hubertus Berges, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Cloppenburg.
Projekt bis Ende 2016
Das Projekt des NLWKN in Zusammenarbeit mit dem Landvolk läuft seit Juni bis Ende 2016 und ist an ein Vorhaben des Umweltbundesamtes gekoppelt, in dem die Ursachen von Stoffeinträgen in das oberflächennahe Grundwasser erforscht werden.
Zur Projektbegleitung wurde ein Arbeitskreis mit Vertretern der Behörden, der Landwirtschaft und der Trinkwasserversorger gegründet, der die gewonnenen Informationen austauscht und mit der Öffentlichkeit abstimmt.
