Oldenburg - Die starke Verkehrsbelastung auf der Hundsmühler Straße ist seit Jahren ein Dauerthema in der Stadt. Aber was kann man dagegen tun? Um diese Frage ging es am Freitagabend im Gemeindezentrum der Nikolaikirche beim rot-grünen Bürgergespräch. Der Einladung von SPD und Grünen folgten mehrere Dutzend Anwohner. Allerdings fehlten die Vertreter der Grünen: Landtagsabgeordnete Susanne Menge und Ratsfraktionssprecher Sebastian Beer konnten wegen einer Streckensperrung der Bahn zwischen Bremen und Hannover nicht pünktlich in Eversten sein. Sie standen nicht, wie zunächst irrtümlich berichtet, auf der Autobahn im Stau.
Daher befassten sich die SPD-Vertreter Ulf Prange (Landtagsabgeordneter), Alexander Wandscher (Ratsherr), Jutta Bohne und Axel Fuhrmann (Ortsverein Eversten) mit der Thematik. Als Grundsatzprobleme in der Hundsmühler Straße machten sie die Ampelschaltungen, die Schlaglöcher, die Geschwindigkeitsregelungen und das hohe Lkw-Aufkommen aus.
Der von der Stadt entwickelte Lärmaktionsplan dient nicht zur Lösung aller Probleme. Denn der Plan sieht lediglich eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h zwischen dem Hausbäker Weg und der Autobahnauffahrt vor. „Man kann ja schon jetzt nicht schneller als Tempo 30 fahren, weil der Verkehr so dicht ist“, erklärt ein Besucher des Bürgergesprächs.
Erfahrungen und Berichte der Anwohner zeigten, dass besonders der Lkw-Verkehr eine starke Belastung ist. „Ich stehe nachts senkrecht im Bett, weil ein Laster stark bremst und mit lautem Geräusch wieder anfährt“, erzählte eine Anwohnerin.
Andreas Thibaut, Pfarrer in der Nikolaikirche, fügte hinzu: „Wenn wir im stillen Gebet verharren, werden wir häufig durch den Lkw-Lärm gestört.“ Er hält auch die Einrichtung einer Maut für einen diskussionswürdigen Ansatz, sich dem Problem anzunehmen, weil eine Vielzahl der Laster aus den Niederlanden kommt.
In der Diskussion wurde deutlich, dass allein eine Herabsetzung der Geschwindigkeit keine Lösung bringen wird. „Ob 30 oder 50 ist egal“, meinte SPD-Fraktionsvorsitzender Bernd Bischoff. „Es müssen Maßnahmen entwickelt werden, die das Brems- und Beschleunigungsverhalten vermeiden“, so Bischoff. „Die einzelnen Aspekte des Verkehrsverhaltens müssen mit Fachleuten besprochen werden, um dann komplexe Maßnahmen zu entwickeln.“
Die Ingenieurin und Anwohnerin Melanie Campbell empfahl: „Wir brauchen ein sensibles Großstadtmessnetz nach dem Vorbild von Sensor-City.“ Damit meinte sie das ehrgeizige Verkehrslenkungsprojekt, das die Provinz Drenthe und die Gemeinde Assen (Holland) in der Nähe Groningens entwickelt haben. Sensible Ampelschaltungen und eine elektronische Verkehrsführung wären die einzige Lösung, so Campbell. „Mein Sohn hatte einen Unfall, der Fahrer beging Unfallflucht“, erzählte sie.
Auch andere Anwohner sprachen von Unfällen. Zu Zusammenstößen sei es u. a. gekommen, weil Lkw-Fahrer das Rotlicht an der Ampel missacht hätten. Unterschiedliche Meinungen gab es darüber, ob eine Herabsetzung der Geschwindigkeit tatsächlich den Lärmpegel spürbar herabsetzt. Die anwesenden Vertreter der Politik versprachen, sich den Anregungen in den Gremien anzunehmen.
