Wangerland - Nach bundesweiten Nikolaus-Aktionen bei den Ministerien und verschiedenen Landespolitikern Anfang Dezember haben die Milcherzeuger des Bundesverbands Deutscher Milchviehalter (BDM) jetzt bundesweit gleichzeitig rund 60 Molkereistandorte und -gremien besucht. Dort haben sie einen Milchviehhalter-Appell an die Molkereivertreter übergeben.
Schlechte Prognosen
Auch die Teams Friesland/Wittmund und Aurich haben sich an der Aktion beteiligt. Sie besuchten die Molkerei Rücker. „Wir wollen mit dieser Aktion ein deutliches Zeichen setzen“, sagte Henning Haschenburg, vom Team Friesland/Wilhelmshaven, der in Friedrich-Augustengroden einen Milchviehbetrieb bewirtschaftet. Begleitet wurde er von den Milchviehhaltern Peter Janssen und Meike Dirksen aus dem Landkreis Aurich und von Enno Paschke aus dem Landkreis Wittmund.
Die Situation der Milchviehhalter sei angesichts des seit fast einem Jahr anhaltenden Preisverfalls sehr ernst. Und sie werde sich noch weiter verschärfen, wenn die negativen Prognosen von Marktexperten in Bezug auf den Milchpreis für die kommenden neun Monate Realität werden, befürchten die Milchviehhalter.
„Wir haben kein Verständnis dafür, dass man wieder einmal eine Marktkrise aussitzen will und die dabei entstehende Wertschöpfungsverluste alleine auf die Milchviehhalter abwälzt“, kritisiert Haschenburger. Der BDM fordere die Molkereien in seinem Milchviehhalter-Appell daher dazu auf, die Bestrebungen der Milchviehhalter dahingehend zu unterstützen, dass ein wirkungsvolles Sicherheitsnetz für Marktkrisen installiert wird. „Wir erwarten, dass sich die Molkereien und ihre Verbände offen und unvoreingenommen mit dem bereits vom BDM entwickelten Milchmarktkrisenkonzept auseinanderzusetzen“, sagt Haschenburger.
Runden Tisch gefordert
Zudem sind die Molkereien aufgefordert, gemeinsam mit den Milchviehhaltern bei Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) die Gründung eines Runden Tisches „für die Zukunft einer wirtschaftlichen Milchviehhaltung“ zu erwirken. Dort sollen alle am Milchmarkt Beteiligten zusammenkommen.
„Wir hoffen unter anderem, dass die Bundesregierung sieht, dass Weltmarkt und wirtschaftliches Wachstum nicht alles sind“, sagt Haschenburger.
Der Bundesagrarminister lasse bisher völlig unberücksichtigt, dass es für Tierwohl, Qualität der Milch und die Zukunft des ländlichen Raumes wirtschaftlich gesunde und zukunftsfähige Milchviehbetriebe braucht, kritisiert auch BDM-Vorsitzender Romuald Schaber. Man sei aber dennoch an einer gemeinsamen Lösung interessiert, betont er.
