Kiel - Das Sommerreisegeschäft läuft auf Hochtouren – getrieben vom trüben Aprilwetter und zur Freude der Tourismusbranche. Hatten im Frühjahr 2016 viele Urlauber wegen der Anschläge in Paris, Istanbul und Brüssel mit Buchungen lange gezögert, melden Tui und Co. nun eine steigende Nachfrage nach Urlaubsreisen.

„Die Lust der Urlauber, diesen Sommer ins Ausland zu reisen, ist in allen unseren Märkten gut, trotz der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit“, berichtete Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser jüngst. Die Buchungen für den Sommer lägen derzeit insgesamt zehn Prozent höher als vor einem Jahr. Auch der weltgrößte Reisekonzern Tui und DER Touristik berichten von einer wachsenden Nachfrage.

Nach Einschätzung der GfK-Konsumforscher stehen die Chancen gut, dass die diesjährige Sommersaison besser als die vorherige ausfällt. Bis einschließlich März lag der Umsatz der klassischen Reisebüros um fünf Prozent über Vorjahr.

Ob die Branche an das Rekordjahr 2015 anknüpfen kann, lässt sich derzeit aber noch nicht absehen. Der Branchenverband DRV rechnete zuletzt im Gesamtjahr mit einem moderaten Plus gegenüber 2016. Sehr gefragt ist Griechenland mit bisher hohen zweistelligen Buchungszuwächsen in den Reisebüros. Ungebrochen ist die Beliebtheit Spaniens (auf Platz 1) bei deutschen Urlaubern. Auch Urlaub im eigenen Land ist Veranstaltern zufolge gefragt. Ein Comeback erlebte zuletzt Ägypten, die Nachfrage habe sich erholt, so GfK-Expertin Dörte Nordbeck.

Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) kommt in der Reiseanalyse 2017 zu dem Ergebnis: „Terror wirkt auf die Reise-Zielwahl und das Reiseverhalten, dämpft aber nicht die allgemeine Reiselust.“ FUR zeigt eine interessante Entwicklung bei Fernreisen auf: 2016 machten die Bundesbürger 5,3 Millionen Urlaubsreisen in Länder außerhalb Europas und des Mittelmeerraumes – 23 Prozent mehr als 2010. „Immer mehr Menschen können sich den Traum von exotischen Ländern erfüllen. Es gibt mehr Flugverbindungen und Fernreisen sind erschwinglicher geworden“, sagte Martin Lohmann, Geschäftsführer des Instituts NIT. Der Marktanteil liege mittlerweile bei knapp acht Prozent (2010: 6,5 Prozent).


Am beliebtesten war zuletzt Süd-Ostasien vor Nordamerika.

Zwar sind Fernreisen im Schnitt immer noch teuer. Allerdings sind die Ausgaben für ferne Ziele seit 2010 den Angaben zufolge langsamer gestiegen (plus 15 Prozent) als für Urlaubsreisen insgesamt (plus 20 Prozent). Der Abstand wird also kleiner.