Aktuelle Lage im Altenpflegeheim des Wichernstifts (die Ð  berichtete mehrfach)

Was haben das Wichernstift, die Diakonie wie all die Wohlfahrtsverbände eigentlich getan, um dem ständigen Absenken der Pflegesätze seit mehr als 10 Jahren entgegen zu treten? Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) schraubte zwar die Qualitätsanforderungen immer höher – die Pflegesätze sind jedoch nicht annähernd im gleichen Maß angehoben worden, ja werden teilweise sogar abgesenkt wie jetzt im Wichernstift. (...)

Wenn Herr Bode, Leiter des Amtes für Arbeit und Soziale Sicherung des Landkreises Oldenburg, meint, mit 11,31 Euro pro Stunde statt der gesetzlichen 8,50 Euro Mindestlohn seien Pflegekräfte überbezahlt, zeugt das nicht nur von Unkenntnis, sondern ist eine Unverschämtheit.

Pflege ist körperlich schwere Arbeit, psychisch belastend, weil dort u.a. Sterbebegleitung dazu gehört. Ständig müssen die Dienstpläne und damit die Arbeitszeiten geändert werden, weil zu wenig Personal da ist. Da klingelt schon mal morgens um 5 Uhr zu Hause das Telefon, weil sich jemand krank gemeldet hat (...).

Und jetzt unterstellen Leute wie Herr Bode und Herr Mohn von der Altenhilfe gGmbH, die Pflegekräfte seien mit Schuld an der neuerlichen Insolvenz des Wichernstiftes, weil sie nicht bereit seien, auf Lohn zu verzichten. Dabei haben die meisten das vor nicht einmal einem Jahr doch schon getan!


Herr Mohn und der Insolvenzverwalter haben sogar die Möglichkeit, Widerspruch gegen unzureichende Pflegesätze einzulegen – haben sie das getan? Sie müssten nur wollen! 2009 hat das Bundessozialgericht entschieden, geltende Tarifverträge müssen bei Festsetzung der Pflegesätze berücksichtigt werden. Haben das Landkreis und Kassen getan? (...)

Den Pflegekräften möchte ich sagen: Wehrt Euch, lasst Euch und Eure Arbeitsbedingungen nicht noch weiter entwerten. Ihr seid doch in der Lage diesen Leuten zu zeigen, dass Eure Arbeit mehr wert ist als 8,50 Euro in der Stunde.

Jannette Scheele, Friesoythe