Deichbauarbeiten sind nur von April bis September möglich. Der Deichband kritisiert die Verzögerungen durch den Streik der IG BAU.
von norbert hartfilblexen
– Das Recht der Gewerkschaft, bei der Tarifauseinandersetzung im Baugewerbe zum Streik aufzurufen, zieht Leenert Cornelius nicht in Zweifel. Aber der Vorsteher des II. Oldenburgischen Deichbandes hat nicht das geringste Verständnis dafür, dass die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt mit ihrem Arbeitskampf „den Küstenschutz und damit das Leben vieler Menschen gefährdet“. Seine Kritik richtet sich gegen die Arbeitsbehinderungen auf einer Deichbaustelle am Blexer Flugplatz.Während der IG-BAU-Sekretär Klaus Imhoff auf Nachfrage der NWZ versichert, dass die Bauarbeiter sich von den Gewerkschaftern überzeugen lassen und aus freien Stücken die Arbeit eingestellt hätten, schildert Leenert Cornelius den Vorgang ganz anders. Nach Angaben des Deichband-Vorstehers wurden die Männer auf der Baustelle von IG-BAU-Leuten am Montag und Dienstag derart bedrängt, dass sie die Arbeit nicht mehr forsetzen konnten. Diese Darstellung bestätigt der Geschäftsführer der am Flugplatzdeich tätigen Fedderwardersieler Schlengen- und Tiefbaufirma Haye, Peter Schultze. „Die Leute wollten arbeiten, aber eine Gruppe von Gewerkschaftern hat sie daran gehindert.“
Nach Peter Schultzes Angaben machen nur 6 sechs oder 7 der insgesamt 65 Haye-Beschäftigten bei dem Streik mit. Und von den Streikenden gehöre keiner zu der Kolonne, die am Deich in Blexen eingesetzt ist. Peter Schultze hält mit seiner Verärgerung über die Gewerkschaft nicht hinterm Berg: „Der Streik trifft die Falschen, wir zahlen tarifgerecht und beteiligen uns nicht am Lohndumping.“
Die drohenden Verzögerungen bei der Errichtung des Deichsicherungswegs und des Schüttsteindeckwerks, das den neu angelegten Fluplatzdeich vor Wellenschlag und Unterspülung schützen soll, bringen Deichband-Chef Leenert Cornelius in Rage. Weil aus Sicherheitsgründen nur von April bis September an den Deichen gearbeitet werden darf, zählt auf der Baustelle laut Leenert Cornelius „jeder halbe Tag“. Sollten die Arbeiten nicht bis zu den Herbststürmen erledigt sein, drohe eine gefährliche Schwachstelle.
Die Appelle des Deichband-Vorstehers an die IG BAU, die achtköpfige Haye-Kolonne im Interesse des Küstenschutz weiterarbeiten zu lassen, hatten bislang keinen Erfolg. „Die Streikleitung gibt die Baustelle nicht frei“, betont Gewerkschaftssekretär Klaus Imhoff.
Der Deichband bemüht sich jetzt über einen Anwalt um eine einstweilige Verfügung gegen die IG BAU. Im nächsten Schritt will Leenert Cornelius die Baustelle absperrren und von der Polizei absichern lassen. Sollten trotzdem Gewerkschafter das Gelände betreten, will er sie wegen Hausfriedensbruchs verklagen.
