ASTEDERFELD/MTSKHETA - Nein, ein richtiger Georgier ist er noch nicht geworden, auch wenn er schon ganz geläufig „nachwamdiz“ (georgisch für auf Wiedersehen) sagen kann. Oder sich für die georgische Mentalität erwärmt: diese sei von einer „großzügig-warmherzigen Ungezwungenheit“.
Kontrolle nach Krieg
Michael Kühl, 47, aus Astederfeld, ist seit Jahresbeginn dienstlich in Georgien, als Angehöriger der von dem deutschen Diplomaten Hansjörg Haber geleiteten European Monitoring Mission (EUMM). Die Mission überwacht die politische Stabilität nach dem Kaukasus-Krieg 2008, in dem Russland und Georgien mit Waffengewalt um Abchasien und Südossetien kämpften, zwei abtrünnige georgische Teilrepubliken, die allein von Russland anerkannt sind.
Es ist der bisher längste und aufwändigste seiner internationalen Einsätze; der Vertrag läuft bis Mitte September 2010. Kühl wurde vom deutschen Auswärtigen Amt – die EUMMler haben den Diplomatenpass – angefordert, weil er über große Erfahrung als Politik- und Wahlbeobachter für internationale Organisationen verfügt, unter anderem in Nepal und bei der US-Präsidentschaftswahl.
Nun aber Georgien, ein Land, in dem „ich mich sehr wohlfühle“, sagt Michael Kühl bei diesem NWZ -Gespräch aus Anlass eines kurzen Urlaubs daheim. Besonders dazu angetan ist nicht zuletzt sein Dienstort Mtskheta, Sitz der georgischen Regionalverwaltung Mtskheta-Mtianeti. Die 20 000-Einwohner-Stadt unweit von Tiflis im Großen Kaukasus ist Georgiens alte Hauptstadt (im Mittelalter) und reich an Kulturschätzen, teils sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörend.
Internationales Team
„Die Stadt ist beeindruckend“, sagt Michael Kühl. Er gehe gern dort aus. Doch das ist natürlich nicht sein eigentliches Thema. Er leitet eine Gruppe von 30 internationalen Mitarbeitern, die von Mtskheta aus die Einhaltung des Friedensabkommens in Bezug auf Polizei und Militär zu überwachen hat. Der Zuständigkeitsbereich umfasst „praktisch den gesamten Osten“ Georgiens, rund 60 Prozent des Landes. Die Kühlsche Arbeitsgruppe gehört zum EUMM-Field Office Mtskheta mit insgesamt 65 Mitarbeitern aus 18 Nationen.
Mit auf Patrouille
Da ist einiges zu tun. Ja, er fahre auch gelegentlich selbst mit auf Patrouille, bis zu drei Tage, im Geländewagen, sagt Michael Kühl. Seine Hauptaufgabe aber sei die Leitungstätigkeit: die Inspektionsfahrten zu georgischen Polizei- und Militärposten planen, das Einvernehmen mit Polizeichefs und Kommandeuren herstellen, Berichte ans EUMM-Hauptquartier abfassen, Dienstpläne oder auch Beurteilungen erstellen. Das alles sei nicht so einfach, erfordere im Umgang mit den einheimischen Offiziellen natürlich auch ständige Dolmetscher-Dienste. Insgesamt verlaufe die Kooperation mit der georgischen Seite aber zufriedenstellend, sei zumeist „freundlich-professionell“. Gewisse Schwierigkeiten allerdings blieben nicht immer aus. Gesamteinschätzung: Momentan sei die Lage „relativ stabil“. Internationale Präsenz werde aber „noch lange erforderlich sein“.
