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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Commerzbank betont trotz Gewinneinbruchs eigene Stärke

08.05.2019

Frankfurt/Main (dpa) - Die Commerzbank lässt sich von einem Gewinneinbruch zum Jahresauftakt nicht von ihrem eigenständigen Kurs abbringen. Nach der Absage einer Fusion mit der Deutschen Bank muss das teilverstaatlichte Institut beweisen, dass es weiterhin alleine stark genug ist.

Durch Wachstum stärken wir unsere Ertragsbasis und wirken den niedrigen Zinsen und dem Margenverfall entgegen", sagte Konzernchef Martin Zielke. "Natürlich werden wir weiter konzentriert daran arbeiten, unsere Ertragskraft zu steigern.

Im Herbst will der Commerzbank-Vorstand erklären, wie das auf Privatkunden sowie Mittelstand und Firmenkunden ausgerichtete Institut nach 2020 weiterentwickelt werden soll. Dann läuft die seit Herbst 2016 geltende Strategie aus. Zinstief, Digitalisierung und Regulierung verlangen nach Antworten.

Vor zwei Wochen waren Commerzbank und Deutsche Bank nach knapp sechswöchigen Gesprächen zu der Erkenntnis gelangt, dass ein Zusammenschluss der beiden Frankfurter Großbanken zu viele Risiken bergen würde. Nach unbestätigten Medienberichten steht die Konkurrenz bereits in den Startlöchern: Angeblich haben die niederländische ING und die italienische Unicredit ein Auge auf die Commerzbank geworfen. Commerzbank-Finanzvorstand Stephan Engels sagte dazu am Mittwoch in einer Telefonkonferenz, es habe bislang keiner bei dem Frankfurter Institut angeklopft: "Wenn, dann müsste ich es Ihnen sagen."

Zum Jahresauftakt 2019 brockten sinkende Erträge und eine höhere Steuerlast der Commerzbank einen Gewinneinbruch ein. Unter dem Strich verdiente das Institut im ersten Quartal 120 Millionen Euro und damit über die Hälfte weniger als ein Jahr zuvor (262 Mio Euro).

Gesunkene Verwaltungskosten konnten den Ertragsrückgang nur teilweise ausgleichen. Zugleich wirbt die Commerzbank massiv um Kunden. Von Januar bis März wurden nach Angaben der Bank im Segment Privat- und Unternehmerkunden in Deutschland 123.000 zusätzliche Kunden gewonnen - maßgeblich dank der Online-Tochter Comdirect.

Die Commerzbank hatte sich im Herbst 2016 zum Ziel gesetzt, bis 2020 zwei Millionen zusätzliche Klienten anzulocken. Von einer breiteren Kundenbasis verspricht sich der Konzern mit aktuell gut 13 Millionen Privat- und Unternehmerkunden in Deutschland langfristig mehr Gewinn.

Das Geschäftsvolumen (Assets under Control) in dem Segment stieg auf 402 Milliarden Euro. "Wir werden von der Menge der verwalteten Kundengelder her noch stärker wachsen müssen, um die Preiserosion im Markt zu kompensieren", sagte Privatkundenchef Michael Mandel den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX. Das sei aber kein Selbstläufer: "Der deutsche Markt wird schwierig bleiben."

Auch im umkämpften Firmenkundengeschäft sieht die Bank Fortschritte. In diesem Bereich sei sowohl die Zahl der Kunden als auch das Kreditvolumen gewachsen. "Die Richtung stimmt, das Kundengeschäft entwickelt sich weiter positiv", bilanzierte Finanzvorstand Engels.

Nachdem der Traum von der großen Bankenhochzeit geplatzt war, hatte Zielke wiederholt die Stärke seines Hauses betont. Das Institut, dessen größter Anteilseigner mit gut 15 Prozent der deutsche Staat ist, sei "alleine stark genug", sagte Zielke in mehreren Interviews kurz nach Beendigung der Gespräche mit der Deutschen Bank Ende April.

Für das Gesamtjahr 2019 peilt Zielke nach früheren Angaben "unter dem Strich ein leicht höheres Konzernergebnis als im Vorjahr" an. 2018 hatte das seit Herbst im MDax notierte Institut 865 Millionen Euro Gewinn ausgewiesen - fast sieben Mal so viel wie ein Jahr zuvor.

Für 2018 sollen die Aktionäre eine Gewinnausschüttung von 20 Cent je Anteilsschein erhalten - abgestimmt wird darüber bei der Hauptversammlung in zwei Wochen. Es wäre das zweite Mal seit der Rettung mit Steuermilliarden in der Finanzkrise vor zehn Jahren, dass die Commerzbank Dividende zahlt. Für 2019 dürfen die Anteilseigner auf eine Ausschüttung in vergleichbarer Höhe hoffen.

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