Cloppenburg - Der Verein „Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland“, dem rund 80 Firmen der hiesigen Agrar- und Ernährungswirtschaft angehören, will den Einsatz von Antibiotika in der Schweine-, Hühner- und Putenmast dauerhaft senken. Die vom niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) geforderte Reduzierung um 50 Prozent innerhalb der kommenden fünf Jahre könne noch unterboten werden, wenn vom Landwirt bis zum Verbraucher ein Umdenken stattfinde, erklärte AEF-Vorsitzender Uwe Bartels am Freitag bei einem Pressegespräch in Vechta.

Dabei gehe die Verringerung des Antibiotika-Einsatzes ganz klar mit einer Verbesserung des Tierwohls einher, sagte Dr. Thomas gr. Beilage. Der Essener Tierarzt ist Sprecher einer vor rund einem Jahr gegründeten AEF-Arbeitsgruppe, die an einem Konzept zur Optimierung der Tiergesundheit im Oldenburger Münsterland arbeitet.

Beispielsweise müsse der Landwirt bereit sein, „eine gewisse Leidensfähigkeit zu entwickeln“ und kranke Tiere vom Mastbestand zu trennen. Allerdings seien die meisten Landwirte vertraglich verpflichtet, eine ganz bestimmte Tiermenge zu einem festgelegten Termin bei den Schlachthöfen anzuliefern. Ansonsten drohten hohe Konventionalstrafen, so gr. Beilage weiter. Deshalb müssten sich auch die Schlachthöfe bewegen. „Wir müssen in der Tierhaltung das Reparatur- durch ein Wartungsprinzip ersetzen, das auch den Einsatz von mehr Personal erfordert.“

Dies wiederum bedeute höhere Kosten, die der Handel auf dem umkämpften deutschen Lebensmittelmarkt nicht gleich ungefiltert an die Kunden weitergeben könne, so gr. Beilage. Doch irgendwann werde dann auch der Kunde zur Kasse gebeten.

Konkret will das AEF eine Datenbank erstellen, in der sämtliche Handlungsempfehlungen aus allen Bereichen – Landwirtschaft, Futtermittel, Medikation, Desinfektion, usw. – hinterlegt würden. Diese Informationen könnten dann von allen Interessierten abgerufen werden. Das Oldenburger Münsterland, so Bartels, könne im Hinblick auf die Reduzierung von Antibiotika große Kompetenzen einbringen. „Die Lösung wird aus Südoldenburg kommen“, ist sich gr. Beilage sicher.


Dass die Reduktion von Antibiotika automatisch mit einer Verringerung der Besatzdichte in den Ställen einhergehe, wollte Bartels so nicht bestätigen. Es gebe viele intelligente Alternativen zur Verbesserung der Tiergesundheit, wie zum Beispiel den Einsatz von Milchsäure in Futtermitteln für die Ferkelaufzucht, ergänzte gr. Beilage.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland