Bonn/Jever - Ein Euro mehr für die Kiste Bier, mindestens ein Fünfer für das 100-Liter-Fass: Solche mutmaßlichen Absprachen in der Bierbranche werden jetzt vom Bundeskartellamt drastisch bestraft. Elf Brauereien sollen zusammen fast 340 Millionen Euro zahlen – eine der höchsten Kartellstrafen in der Geschichte der Behörde. Allein für die laut Kartellamt überhöhten Kastenpreise schätzen Verbraucherschützer den Schaden auf über 400 Millionen Euro in nur einem Jahr.
Die Strafzahlung trifft die Brauer ins Mark: Die Branche steht im knallharten Wettbewerb bei schrumpfenden Umsätzen und mit sehr knappen Gewinnmargen von wenigen Prozent. Der Marktführer Radeberger (u.a. „Jever“) legte sofort Widerspruch ein.
„Kein Kasten Bier mehr auf der Baustelle, kein Bier mehr im Getränkeautomat und für Fahranfänger 0,0 Promille – so gut das alles ist – die Brauereien kriegen es zu spüren“, sagt ein Branchenkenner.
Vor diesem Hintergrund fallen Preiserhöhungen den Brauereikonzernen äußerst schwer, wenn Personalkosten, Wasser oder das Getreide teurer geworden sind. Der Markt beobachtet sich mit Argusaugen, jeder kennt das Preisniveau des anderen genau. Sobald sich einer nach oben bewegt, reagiert ein Konkurrent mit einem Sonderangebot , um Menge zu machen.
Das ist das Umfeld, in dem nach den Ermittlungen des Kartellamtes die Brauer das verbotene Gespräche untereinander suchten. Erst hätten sich die Großen getroffen und Stillhaltevereinbarungen für die geplanten Preiserhöhungen geschlossen. Dann habe man sich 2006 und 2007 mit regionalen NRW-Brauereien abgestimmt – sinnigerweise bei Sitzungen des Brauerverbandes-NRW, möglicherweise bei einem frischen Pils.
Dass das Bundeskartellamt mit einer 340-Millionen-Euro-Strafe nun so spektakulär durchgreift, ist wohl auch als Warnschuss für die Zukunft gedacht. Noch höher war nur die 660-Millionen-Buße für die Zementindustrie 2003.
Die Strafe soll den Brauern wehtun: „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich Brauereien nach diesem Verfahren noch einmal in Absprachen wagen werden“, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt.
In der Branche ist der Ärger groß. Einige Marktteilnehmer wundern sich auch, dass mit AB-Inbev (Deutschlandsitz in Bremen) ausgerechnet ein ausländischer Großkonzern als Kronzeuge auftritt. Aber letztlich haben viele große Unternehmen bei der Aufarbeitung mitgewirkt.
