Tokio/Wolfsburg/Berlin - Mitten im Abgas-Skandal bei Volkswagen hat der japanische Autobauer Mitsubishi Manipulationen bei Verbrauchswerten eingestanden. Betroffen sind mehr als 600 000 der in Japan beliebten Kleinstautos. Es gebe Hinweise, dass Mitarbeiter Daten zu Verbrauchstests bewusst gefälscht hätten, teilte der Konzern am Mittwoch mit.

Damit hat nun nach Volkswagen ein weiterer Autobauer einen Skandal um manipulierte Testwerte. Anders als bei VW geht es aber nicht um Abgasmessungen. Die gefälschten Werte betreffen laut Mitsubishi 157 000 Fahrzeuge „eK Wagon“ und „eK Space“ sowie 468 000 für Nissan gebaute „Dayz Roox“. Es handelt sich um Miniautos, die als äußerst sparsam gelten. Tatsächlich wurde der Verbrauch laut Mitsubishi aber wegen der Manipulation um fünf bis zehn Prozent zu günstig ausgewiesen. Aufgefallen sei dies zuerst Nissan. Mitsubishi überprüfte daraufhin intern selbst die Daten. Konkret sollen Reifendruckwerte gefälscht worden sein, um den Verbrauch günstiger erscheinen zu lassen. Nissan stoppte den Verkauf der Fahrzeuge.

Unterdessen könnte VW bei der Abarbeitung des Abgas-Skandals ein wichtiges Ziel verpassen. Man erwägt laut Informationen der Agentur dpa, die für Ende April angekündigten Zwischenergebnisse zur Schuldfrage bei den Diesel-Manipulationen zu verschieben. Damit würden die für die zweite Aprilhälfte fest zugesagten „vorläufigen Ergebnisse“ entfallen. Der Grund liegt laut „Wall Street Journal“ offenbar in den USA, bei der Kanzlei Jones Day.

Der Abgasbetrug bei VW hat möglicherweise dort nicht seinen Anfang genommen, sondern bei der Tochter Audi, spekulierten das „Handelsblatt“ und andere Medien. Ingenieure bei Audi sollen dort schon 1999 die Idee für eine Schummelsoftware ausgeheckt haben.

Trotzdem legten die VW-Vorzugsaktien um 6,6 Prozent zu und waren Gewinner des Tages im Dax. Zeitweilig ergab sich für den Monat April ein Gesamt-Kursplus von 18 %. VW soll sich auch kurz vor dem Ende eines gerichtlichen Ultimatums in den USA mit US-Vertretern im Streit um manipulierte Diesel-Abgaswerte geeinigt haben. Jeder US-Halter eines VW-Modells mit der beanstandeten Software soll 5000 US-Dollar (ca. 4400 Euro) Entschädigung erhalten, berichtete die „Welt“.