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Der Nordwesten Bei Der Grünen Woche Wo auch die Kleinen zeigen, was sie drauf haben

Karsten Krogmann Zurzeit Berlin

Berlin - Bei Bäcker Kasing gibt es immer etwas umsonst: dumme Sprüche. „Ich hab’ Dir tausendmal gesagt: Die hübschen Damen bedien’ ich selbst“, schnauzt der Chef Verkäuferin Waltraut an, „Du kannst die griesgrämigen Kerle bedienen!“

Zwiebelbrot gefällig?

„Leute, kauft! Ich brauch’ Geld, ich hab’ das teuerste Hobby der Welt: Ich bin verheiratet.“

Lieber ein Rosinenbrot?

Volker Kasing, 61 Jahre alt, Landbäcker aus Delmenhorst, ist einer der letzten Aussteller, die den Nordwesten auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vertreten. Warum? „Ich bin Direktvermarkter“, sagt er, „ich muss ja irgendwie mein Publikum finden.“ In Berlin finde er genau das richtige Publikum, „denn wer zur Grünen Woche geht, der ist offen für Neues“.


Also vielleicht doch eher das vegane Brot?

„Lassen Sie sich Zeit, junge Frau – der einzige, der hier heute arbeiten muss, ist mein Teig.“

Wenig regionale Anbieter

Man muss sie hier mittlerweile suchen, die Anbieter aus dem Zentrum der deutschen Ernährungsindustrie, häufig findet man sie eher am Rand: Ludger Fischer aus Vechta zum Beispiel, 72 Jahre alt. „Wenn wir hier finanziell mit einem blauen Auge herauskommen, haben wir Glück gehabt“, sagt der Fleischer in Halle 12.

Warum fährt er dann trotzdem seit 25 Jahren nach Berlin? „Ich betreibe eine kleine Fleischerei“, sagt er, „und ich will den Leuten zeigen, dass wir Kleinen auch was können – vielleicht sogar besser als die Großen.“ Er schneidet ein paar Scheiben Knochenschinken, hauchdünn, „da muss man durchgucken können“.

Fischer versteht sich durchaus als Botschafter: Er möchte für Qualität werben, für einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln. „Die Leute gucken doch nur noch: Wie sieht es aus? Schmeckt es einigermaßen? Ist es billig? Und dann wird das meiste hinterher auch noch weggeschmissen. Mich macht das wahnsinnig!“

So, wie wär’s jetzt mit einem Schinkenbaguette?

64,358 Millionen Masthühner. 6,030 Millionen Mastschweine. 834 000 Milchkühe. 4,316 Milliarden Eier. Auch das ist Niedersachsen, das ist der Nordwesten, wo der größte Teil davon erzeugt wird.

Die Zahlen stehen auf großen Stellwänden in Halle 20, der Niedersachsenhalle. Vor der Stellwand steht Renate Rehm, 56 Jahre alt, Geschäftsführerin für den Tierschutzplan im Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium. Sie ist zum zweiten Mal in Berlin dabei, ihr Auftrag: die Verbraucher daran zu erinnern, dass vor dem Essen eine Landwirtschaft steht, vor dem Fleisch ein Tier.

Neben Rehm steht ein rosiges Plastikschwein, Originalgröße, mit Ringelschwänzchen. „Gerade waren ein paar Finnen da“ , berichtet Rehm zufrieden. „In Finnland werden keine Schwänze kupiert. Es geht also.“ Sie sagt: „Die Resonanz ist überwältigend. Die Leute hier sind wirklich interessiert.“

Wie entstehen unsere Lebensmittel? Ein paar Schritte weiter stapeln sich in der Messebäckerei von Volker Kasing die Mehlsäcke, „Leer, Ostfriesland“ steht gut lesbar darauf, ein deutlicher Hinweis auf die regionale Erzeugerkette.

Tiere vom Nachbarhof

Fleischer Fischer erzählt jedem Schinkenbaguettekäufer, dass seine Schweine vom Nachbarhof in Vechta stammen, „da weiß ich, wie die gehalten werden“. Dass sie nur ein paar Kilometer weiter in Lohne geschlachtet werden. Und dass er für seinen Knochenschinken leider mehr Geld nehmen muss als der Discounter.

Im Pressezentrum der Grünen Woche gibt Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) eine Pressekonferenz zur Situation der Landwirtschaft. Er sagt: „Der Wettbewerb findet über den Preis statt, nicht über Qualität. Das müssen wir ändern!“

„So“, sagt Bäcker Kasing, „kann ich Ihnen jetzt noch was Gutes tun?“

Er packt ein Mehrkornbrötchen ein. „Aber vorsichtig essen“, warnt er: „Da wird man satt von!“

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