Oldenburg/Swasiland - Pfadfinder-Arbeit würden viele Menschen wahrscheinlich mit Überlebenstraining, Holzschnitzereien und Gesängen am Lagerfeuer in Verbindung bringen. Dass weit mehr dazugehören kann, zeigt der Oldenburger Akki El-Kaakour. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Allison ist er in Bulembu, einem kleinen Ort in Swasiland, Südafrika, als Entwicklungshelfer tätig.
Der in Oldenburg aufgewachsene Sozialarbeiter und Erlebnispädagoge El-Kaakour ist seit seinem elften Lebensjahr bei den Pfadfindern Royal Rangers aktiv; zuerst bei den Oldenburger Pfadfindern der Freien Christengemeinde. Nach seinem Studium ging der heute 29-Jährige vor zwei Jahren als Entwicklungshelfer nach Swasiland. Zunächst nur für sechs Monate, um ein Pfadfindercamp zu leiten. „Dann habe ich mich in den Ort verliebt“, beschreibt der Oldenburger. Im Oktober 2012 ging er erneut nach Swasiland, um dort für zwei Jahre zu arbeiten.
Nach einem wirtschaftlichen Abstieg glich Bulembu 2006 einer „verlassenen Geisterstadt“, erzählt El-Kaakour. Swasiland weise eine der weltweit größten Raten an AIDS-Erkrankungen auf. Viele Kinder seien verwaist, häuslicher Gewalt ausgesetzt oder stammen aus sozial schwachen Familien. Die weltweit agierenden Pfadfinder der Royal Rangers machten sich vor sieben Jahren auf, um die einstige Geisterstadt Bulembu aufzubauen und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, so El-Kaakour.
El-Kaakours Ehefrau Alli-son kam 2007 nach Bulembu. Damals steckte das Hilfsprojekt der Non-Profit-Organisation „Bulembu“ noch in den Kinderschuhen. Die Amerikanerin hatte mit den Aufgaben der Pfadfinder ursprünglich nichts gemein. Erst in Bulembu ließ sich die 29-Jährige zur Pfadfinderin ausbilden; unterrichtet mittlerweile in einer Grundschule und engagiert sich als Erzieherin im örtlichen Kindergarten.
Besonderes Augenmerk legen die Entwicklungshelfer auf den Nachwuchs. „Das Herz von Bulembu sind die Kinder, die in einer sicheren Umgebung aufwachsen sollen“, sagt Allison El-Kaakour. Im Vordergrund der Pfadfinderkurse steht die Vermittlung von praktischem Wissen, sogenannten „Life-Skills“ (zu Deutsch: Lebensfähigkeiten). Hier werden die Kinder und Jugendlichen beispielsweise in Sachen Kochen, Ernährung und Handwerk geschult. Es ist Wissen, das die meist verwaisten Kinder benötigen, um später selbstständig leben zu können.
Mittlerweile betreuen die Ranger etwa 350 Kinder. „Die Arbeit mit Kindern, die jemanden suchen, der sie an die Hand nimmt: dafür schlägt mein Herz“, sagt Allison El-Kaakour über ihren Einsatz in Bulembu. „Dass die Kinder das Kindsein genießen können, das ist das Größte für mich“, fügt ihr Ehemann hinzu. Das Paar bricht Anfang September wieder nach Südafrika auf. Dort wird es voraussichtlich bis 2016 leben.
