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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Auf zwei Beinen erfolgreich unterwegs

26.04.2014

Wilhelmshaven Um zum Outdoor-Ausrüster „Unterwegs“ zu gelangen, fährt man die Autobahn 29 fast bis zum Ende. Erst scharf vor dem Jade-Weser-Port-Gelände geht es in Wilhelmshaven rechts ab. Hier ist das Festland quasi zu Ende. Doch das Marktgebiet des Freizeit-Ausrüsters geht viel weiter, bis hinter den Horizont der Nordsee. Da bestellen Amerikaner schon mal einen hochwertigen Kocher für draußen, oder aus Japan wird wetterfeste Kleidung in Wilhelmshaven geordert, erzählt Gründer und Geschäftsführer Christoph Ganß (50).

Das Besondere an diesem schwunghaften Handel per Internet: Unterwegs war ursprünglich ein rein stationärer Facheinzelhändler.

Doch seit gut zehn Jahren ist man auch beim Online-Boom, der bundesweit den klassischen Einzelhandel herausfordert, dabei – mit einem eigenen Internet-Shop. In der Wilhelmshavener Versandzentrale von Unterwegs liegen 7000 Artikel – vom modischen Wanderschuh bis zum Schlafsack. Die Sparte bringt 30 Prozent des Umsatzes ein.

Unterwegs gehört damit zu jenen Mittelständlern im regionalen Einzelhandel, denen auswärtige Internetriesen nicht mehr das Wasser abgraben können. Man mischt selbst mit. Zugleich werden „stationär“ und „online“ immer intensiver verbunden. „Läden und Internet ergänzen sich perfekt“, zitierte die Zeitschrift der IHK schon vor Jahren den Firmengründer.

Dass sich Unterwegs so entwickeln würde, konnte der Wilhelmshavener Ganß mit seiner Partnerin nicht ahnen, als er 1987, nach einer Kaufmannsausbildung, einen eigenen Laden mit Outdoor-Ausrüstung aufmachte – in kleinstem Umfang, etwas abseits in der Rheinstraße. „Ich war selber viel gereist und fand das Thema interessant.“

Ganß zog nach fünf Jahren an einen größeren Standort an der Peterstraße/Ecke Bökerstraße um. An diesem stark frequentierten Eck rückte er ins Blickfeld vieler potenzieller Kunden, das brachte „den Durchbruch“. Nun konnte Ganß, wie er heute schmunzelnd sagt, von dem Geschäft auch „leben“. Wichtig sei ihm schon damals gewesen, die bekannten Öffnungszeiten dauerhaft durchzuhalten, auch bei schwachen Umsätzen: Keiner, der extra anreiste, sollte enttäuscht werden.

1997 dann ein großer Schritt: Unterwegs zog in die „Nordsee-Passage“. Das war eine „ganz andere Kategorie“, mit der Attraktion der Anlage und eigenen 500 Quadratmetern Fläche. Immer neue Produkte kamen hinzu.

Ganß wollte aber „nicht stehenbleiben“. Ende der 90-er Jahre hatte er die ersten Mitarbeiter – und er leitete nun einen weiteren Expansionsschritt ein: In Oldenburg wurde die erste Filiale eröffnet. Oldenburg sei „naheliegend“ gewesen. Und es war der Anfang einer Schritt für Schritt behutsam ausgebauten Outdoor-Kette, zu der heute 12 eigene Läden, drei Franchisebetriebe und drei weitere enge Kooperationspartner gehören – mit insgesamt rund 230 Mitarbeitern.

„Wir legen Wert auf Service“, beschreibt der Fachhändler Ganß ein Erfolgsrezept seiner Läden, und es hört sich überzeugend an. Der Kunde stehe im Fokus, „er zahlt letztlich unsere Gehälter“. Das ist auch so ein Credo von ihm, wie bei den verlässlichen Öffnungszeiten, Sparsamkeit und Behutsamkeit bei der Expansion. Wichtig sei auch attraktiver Ladenbau.

Dann kam das zweite Standbein im weltweiten Netz: Früher als viele andere und lange vor den Empfehlungen von Experten ging Ganß erst mit einer Website, dann mit einer Reste-Auktionsplattform und schließlich – zu Weihnachten 2003 – mit eigenem Online-Shop an den Start. Das sei „genau die richtige Zeit gewesen“, sagt er heute. Man war früh dabei.

In der allgemeinen Internet-Begeisterung um die Jahrtausendwende wurde der Online-Shop quasi nebenbei mit aufgebaut: erst mit Studenten der Fachhochschule, dann mit Profis aus der IT-Branche. Wichtig sei, sagt Ganß: Überschaubare Kosten, und die Fähigkeit der Software, mitzuwachsen. Anfangs explodierten die Umsätze „um 80 oder 100 Prozent pro Jahr“.

Der Unterwegs-Unternehmer stellte extra Personal für das Internetgeschäft ein (heute 40 Mitarbeiter), für Auftragsbearbeitung und Versand, oder auch eine Online-Redakteurin für die Texte. Die Ware stapelte sich in der Frühzeit im Laden, dann ausgelagert in Schortens – und heute ist das Logistikzentrum in der Wilhelmshavener Zentrale an der Flutstraße.

Bald wurden auch Warenbestände und Kundendaten von der Software gemanagt – heute als „Customer Relationship Management – branchenweit Schlüssel zu Erfolg.

Für Ganß steht längst fest: Beide Vertriebsschienen – stationär und online – ergänzen sich. So sei man mit eigenen Läden für Internetkunden „vertrauenswürdiger, greifbarer“. Und die Läden seien beim Geschäft „mit im Boot“. Mancher stöbere im Internetauftritt – und komme dann in die (vernetzten) Läden. Oder umgekehrt. Gleiches gelte bei Retouren. Preise seien identisch. Das sei eine „super Ergänzung“, ohne die man nicht so groß hätte werden können. Der Umsatz erreicht 20 Millionen Euro, in der Gruppe mit Franchisepartnern 25 Millionen.

Der Outdoor-Unternehmer Ganß sagt aber auch: Heute ist es nicht mehr so einfach, einen Onlineshop zu etablieren, wie damals bei ihm vor zehn Jahren. Kosten und Konkurrenz seien viel größer, und beim Service müsse man sich – wie er selbst – „an den Großen“ orientieren. Aber dabei sein müsse man, davon ist er überzeugt: „Minimum ist eine eigene vernünftige Website mit Öffnungszeiten und Produkten“.

Übrigens: Unterwegs wuchs zuletzt wieder schwerpunktmäßig im stationären Einzelhandel: Ganß, der auch als Person Bodenständigkeit verkörpert, eröffnete weitere Filialen in attraktiven, lebendigen Innenstädten. Allein 2013 kamen Duisburg und Erfurt hinzu. Das Potenzial rund um funktionale und zugleich zunehmend modische Kleidung wie Schuhe sei eben stationär noch nicht ausgereizt, sagt der Firmenchef.

Und so etwas mitten im Zeitalter des Internets.

Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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