Hannover/Ritterhude - Die Wiese gaukelt heile Welt vor. Doch nichts ist geklärt nach der verheerenden Explosion in Ritterhude vor fast zwei Jahren am 9. September 2014. An dem Tag flog der Betrieb des Chemie-Unternehmens Organo Fluid buchstäblich in die Luft. Ein verheerender Brand vernichtete das gesamte Fabrikgelände. Heute bedeckt Gras das Katastrophen-Gelände vor den Toren Bremens, das Niedersachsens Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz am Dienstag mit dem Landrat, der Bürgermeisterin und Anwohnern besichtigte. Bisher sind Ursache und Schuldfrage völlig ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft Verden ermittelt weiter. „Ein Ende ist noch nicht absehbar“, bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Lutz Gaebel.

Die CDU-Opposition im Landtag übt scharfe Kritik an der nur schleppenden Aufarbeitung. „Noch immer ist unklar, welche konkreten Fehler und Versäumnisse die Behörden auf Landes- und kommunaler Ebene zu verantworten haben“, beklagt der CDU-Umweltexperte Martin Bäumer. Tatsächlich gebe es aber weiterhin „eine Reihe von Merkwürdigkeiten“, sagt der Landtagsabgeordnete. So habe die Staatsanwaltschaft erst jetzt einen Gutachter beauftragt, „zu prüfen, ob der Betrieb von Organo Fluid in einer nicht genehmigten Anlage stattgefunden hat“, sagt Bäumer im Gespräch mit dieser Zeitung.

Auch im Umweltministerium gibt es bislang keine Ergebnisse der disziplinarrechtlichen Ermittlungen gegen verantwortliche Behörden, die mit Prüfung und Genehmigung des Betriebs befasst waren. Man warte die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft ab, heißt es vertröstend.

Staatssekretärin Kottwitz verweist auf den „Überwachungsplan für große Industrieanlagen“, den das Umweltministerium nach der Katastrophennacht von Ritterhude erstellt hat. Künftig gilt das Vier-Augen-Prinzip mit regelmäßigen Vor-Ort-Besichtigungen im zeitlichen Abstand von ein bis drei Jahren. „Entscheidungen, ob die Änderung einer Anlage nur anzuzeigen ist oder einer umfangreichen Genehmigung bedarf, werden nicht nur durch einen Sachbearbeiter, sondern durch mehrere getroffen“, betont die Staatssekretärin. Immerhin: Die Sanierungsmaßnahmen auf dem Gelände sind inzwischen abgeschlossen. Die Beweissicherung an den Grundwassermessstellen wird noch zwei Jahre fortgeführt, sagt Ministeriumssprecher Rudi Zimmeck.

Der Betreiber der explodierten Fabrik will das Gelände nicht mehr industriell nutzen. „Die Firma wird aufgelöst“, sagte der Sprecher der Geschäftsführung von Organo Fluid, Hansgeorg Klose. „Die Liquidationsphase ist Ende November beendet.“ Die Arbeitsverträge mit den 18 Mitarbeitern seien beendet.