Lohne - Als Zeitrahmen für den Wiederaufbau des Betriebs gibt Paul-Heinz Wesjohann, Seniorchef der 35 Töchter umfassenden PHW-Gruppe, 18 bis 24 Monate an. Vorausgesetzt, die nötigen Baugenehmigungen lägen vor. „Den Brand hat keiner gewollt, doch wir müssen an die Zukunft denken,“ so Wesjohann. Am 28. März war der Standort durch einen Brand schwer beschädigt worden. Experten schätzen den Schaden auf mehr als 300 Millionen Euro.

Nach dem Wiederaufbau sollen zunächst 220 000 Hähnchen pro Tag auf einer Schlacht- und Zerlegelinie verarbeitet werden. In „drei bis fünf Jahren“ könnten es bis zu 432 000 Tiere pro Tag werden, so Wesjohann. Der Betrieb würde dann zu den modernsten Schlachthöfen Europas zählen. Die Genehmigung für die Tötung und Zerlegung der Tiere in dieser Größenordnung lag bereits vor dem Brand vor und habe auch weiterhin Bestand.

Derzeit wird nicht geschlachtet. Die Tageskapazität bei Zerlegungen liegt laut Wesjohann bei täglich 80 000 bis 90 000 Hähnchen. Das schaffen 213 feste Mitarbeiter sowie 37 Werkvertragskräfte. Die Bruttoeinkommen der Wiesenhof-Mitarbeiter in Lohne liegen nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) zwischen 2000 und mehr als 3000 Euro. Nach Wesjohanns Angaben liegen die Stundenlöhne zwischen elf und 13 Euro, „und damit deutlich über dem Mindestlohn.“

Für Unruhe sorgte in Lohne derweil die Erhöhung der Abwassergebühren durch den Oldenburgisch Ostfriesischen Wasserverband (OOWV). Die Erhöhung sei nötig, weil mit Wiesenhof derzeit ein Großeinleiter ausfalle, so ein OOWV-Sprecher auf NWZ -Nachfrage. Die Kläranlage, eine der größten des Verbands, müsse kostendeckend betrieben werden. Dazu sei der Verband verpflichtet.

Zudem hätten die Lohner lange Zeit von den günstigen Tarifen – wegen der großen Wiesenhof-Abwassermengen – profitiert. Sollte Wiesenhof die Abwassermenge wieder steigern, würden auch die Gebühren sinken, sagte der OOWV-Sprecher.


Plänen von Wiesenhof, gegebenenfalls eine eigene Kläranlage zu bauen und zu betreiben, erteilte der OOWV eine Absage. Als Träger öffentlicher Belange würde der Verband gefragt – und würde sich dagegen aussprechen. „Für ein solches Genehmigungsverfahren sehen wir keine Chance“, machte der OOWV-Sprecher deutlich.

Zwar kündigte Senior-Chef Wesjohann an, auch in Zukunft mit der Stadt Lohne und dem OOWV zusammenarbeiten zu wollen. Gleichwohl könne sich das Unternehmen auch vorstellen, eine eigene Kläranlage bauen.