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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Wirtschaftsboom In Äthiopien: Aufbruch in Afrika

30.03.2015

Addis Abeba Es dauert noch Jahre, bis der geplante neue Flughafen am Rande von Addis Abeba Wirklichkeit wird. Aber Tewodros Dawid kann sich schon sehr gut vorstellen, wie beeindruckend er aussehen wird. „Der Airport, den wir planen, wird groß. Sehr groß“, sagte der Projektmanager kürzlich in seinem Büro in der äthiopischen Hauptstadt. „Es wird einer der größten Flughäfen auf der Welt. Ich weiß nicht, was andere Länder in dieser Hinsicht für die Zukunft planen. Aber bisher hat kein Staat in Afrika so viel Kapazität geschaffen.“

Äthiopien war einst vor allem für seine epischen Hungersnöte bekannt, auf globale Hilfen angewiesen. Mittlerweile boomt das Land wirtschaftlich und hat viel vor: Der geplante Flughafen ist eines von mehreren gewaltigen zukunftsorientierten Infrastrukturprojekten der Regierung. So spricht man bereits von Äthiopien als aufsteigendem afrikanischen Riesen.

Tatsächlich sieht Addis Abeba zunehmend wie eine enorme Baustelle aus. Großbritannien, über lange Zeit ein finanzieller Wohltäter des ostafrikanischen Landes, erklärte im vergangenen Monat, dass es angesichts der guten Wirtschaftsentwicklung Äthiopiens an der Zeit sei, die Unterstützung in neue Bahnen zu lenken - „zur Förderung von Arbeitsplätzen, Einkommen und Wachstum“.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Wirtschaft laut UN-Statistiken durchschnittlich um elf Prozent zugelegt. Zurückzuführen ist das zum Teil auf enorme öffentliche Ausgaben im Energiebereich und für Infrastrukturprojekte, die private Langzeit-Investoren angezogen haben. Die Vorhaben werden zumeist durch Kredite von Partnern wie China, Indien und der Weltbank finanziert.

Tewodros ist Topmanager von Ethiopian Airports Enterprise. Der neue Flughafen soll nach seinen Angaben Addis Abebas Bole International Airport entlasten und Kapazitäten für 100 Millionen Reisende pro Jahr haben - abgestimmt mit den ehrgeizigen Plänen von Ethiopian Airlines. Die nationale Fluggesellschaft, die größte und profitabelste in Afrika, hat der Luftfahrt-Beraterfirma CAPA Aviation Centre zufolge seit Jahren stetig expandiert und konzentriert sich dabei hauptsächlich auf den boomenden Afrika-Asien-Markt.

Die Expansion der Airline in Asien sei viel schneller und seine Ausrichtung auf asiatisch-afrikanische Transitpassagiere viel aggressiver gewesen als die des großen Konkurrenten Kenya Airways, erläutert die Firma. So fliegt die äthiopische Gesellschaft jetzt täglich nonstop die chinesischen Städte Peking, Guangzhou und Shanghai an. China ist Afrikas größter Handelspartner.

Der neue Flughafen soll binnen einer Dekade fertiggestellt sein und wird Tewodros zufolge umgerechnet mehrere Milliarden Euro kosten. Was die Geldgeber betrifft, ist die Regierung noch am Prüfen, ein Kredit von der chinesischen Export-Import-Bank gilt als starke Möglichkeit. Wo genau der Airport am Stadtrand gebaut wird, soll in Kürze bekanntgegeben werden.

Äthiopien mit seinen knapp 90 Millionen Einwohnern hat im vergangenen Jahr umgerechnet etwa 2,9 Milliarden Euro durch Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Luftfahrt eingenommen. Das liege vierfach über den Einkünften aus den traditionellen Kaffee-Exporten, sagt Zemedeneh Nigatu, ein Berater von Ethiopian Airlines. Die Luftfahrt sei schon jetzt ein größerer Teil der äthiopischen Wirtschaft und der neue Flughafen „ein finanziell vernünftiges Vorhaben“.

Zu weiteren kürzlich fertiggestellten oder im Bau befindlichen Projekten zählt ein 21 Kilometer langes Nahverkehr-Bahnsystem in Addis Abeba. Es soll in weniger als zwei Monaten betriebsfähig sein und pro Stunde 15 000 Menschen in beide Richtungen transportieren können. Auch der Straßenbau ist in der Hauptstadt in vollem Gange.

„Das Land war in der Vergangenheit damit beschäftigt, Grundbedürfnisse zu befriedigen. Jetzt ist es ehrgeizig geworden und unternimmt massive Infrastrukturmaßnahmen“, sagt Abel Abate Demissie vom äthiopischen Internationalen Institut für Frieden und Entwicklung. Dem Experten zufolge unterstreichen die Projekte vor dem Hintergrund langjähriger Klischeevorstellungen von Afrika als armem Land mit vielen Mängeln eine Einstellung nach dem Motto: „Ich kann es tun“.

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Die Hungersnot in Äthiopien in den 1980ern war so schwer, dass sogar mit einem Live-Aid-Konzert Mittel zur Bekämpfung gesammelt wurden. Heute verfügt das Land über zunehmende Kapazitäten, sich selbst zu ernähren. Die Regierung hat nach offiziellen Statistiken seit 2003 durchschnittlich 14,7 Prozent der staatlichen Ausgaben auf den Agrarsektor konzentriert. Die Getreideproduktion wuchs zwischen 2006 und 2014 um 45 Prozent.

Als Kronjuwel der Projekte nennt Abate die Grand-Ethiopian-Renaissance-Stauanlage am Nil. So viel Strom soll hier erzeugt werden, dass es sich zum größten Wasserkraftwerk Afrikas mausern soll - und Äthiopien zu einem wichtigen Exporteur von Elektrizität in Nachbarländern.

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