Ein Auslandsjahr in Irland – das bedeutet ganz viel Regen, grüne Wiesen, Schafe, Kobolde und so weiter. Was durfte ich mir nicht alles anhören, als im letzten Sommer feststand: ich gehe für ein knappes Jahr als Au-pair-Mädchen nach Irland. Daran ließ sich auch nichts mehr ändern, so dass ich am 6. September 2012 in Hamburg ins Flugzeug stieg und in mein neues Leben auf der „Grünen Insel“ aufbrach.
Ich lebe hier in einer wirklich tollen Gastfamilie mit drei Jungen, mit denen ich meinen Tag verbringe, und es gab bisher kaum einen Tag, an dem ich meine Entscheidung bereut habe. Glücklicherweise ist meine „Heimatstadt“ Navan nur etwa 50 Kilometer nördlich von Dublin gelegen, so dass man innerhalb einer Stunde mit dem Bus im Zentrum der Hauptstadt ist – perfekt für Ausflüge durch das Land.
Da meine Hauptaufgabe hier aber ja darin besteht, mich um die Jungs zu kümmern, bleiben mir nur die Wochenenden, um möglichst viel zu sehen. Deshalb versuche ich das mit den zahlreichen anderen Au-pairs, die hier leben, auch zu verwirklichen. Und dabei geht es dann auch recht multikulturell zu: meine beste Freundin Mathilda ist Schwedin, es gibt sehr viele Mädchen aus Spanien, Italien, Österreich und auch das ein oder andere deutsche Mädchen. Unter anderem wohnt gar nicht weit von mir entfernt ein Mädchen aus Cloppenburg – so klein ist die Welt.
Landschaft wie im Film
In den vier Monaten, die ich jetzt hier bin, habe ich nun doch schon einiges gesehen. Absolutes Highlight war dabei der Wochenendausflug nach Galway an die Westküste Ende Oktober. Die Stadt ist sehr schön, recht klein und strahlt etwas Gemütliches aus. Außerdem ist dieses der perfekte Ausgangspunkt für Trips zu den schönsten Plätzen der Insel. Einer davon: die „Cliffs of Moher“, das sind Steilklippen, die sich am Atlantik erstrecken. Wir hatten eine ganztägige Bustour gebucht und fuhren bei strahlendem Sonnenschein durch eine Landschaft, die ich bisher nur aus Rosamunde-Pilcher-Filmen kannte.
Kleine Hügel, bewachsene Steinmauern quer über die Weiden, Kirchenruinen, Kühe, Schafe und immer wieder zwischendurch Ausblicke auf den Atlantik. Und für die Klippen selbst fehlen mir immer noch die Worte, dort oben am höchsten Punkt zu stehen, unglaublich weit schauen zu können, einen halben Meter von einem selbst entfernt geht es mehr als 200 Meter in die Tiefe, der Wind weht einem um die Nase – das kann ich als Reiseziel nur empfehlen! Das Gleiche gilt für das Nachtleben in Galway, denn in der kleinen Fußgängerzone reihen sich die typischen Irish Pubs aneinander, und hier kann man auf jeden Fall Spaß haben.
Für Belfast kann man das leider nicht so sagen. In der Hauptstadt Nordirlands war ich Ende November für ein Wochenende, und das hat dann auch schon gereicht, wenn ich ehrlich bin. Die Stadt ist einfach nicht schön. Im Stadtbild wechseln sich alte, zerfallene Häuser mit hochmodernen Neubauten ab, und wir mussten des Öfteren vollkommen verwirrt unsere Stadtpläne herausholen, weil die Innenstadt so unübersichtlich ist. Zum Glück war zu dieser Zeit schon der große kontinentale Weihnachtsmarkt in Belfast, so dass wir uns mit Currywurst von einem Nürnberger Schwenkgrill stärken und ein bisschen durch schön beleuchtete Buden-Gassen schlendern konnten.
Historie zum Anfassen
Aber auch Belfast hat eine wirkliche Attraktion zu bieten: das erst im letzten Jahr eröffnete Titanic-Museum, das nur wenige hundert Meter vom Dock der Werft, wo das Schiff damals gebaut wurde, entfernt ist. Von der Planung bis zur Nachgeschichte wird hier alles in den verschiedensten Formen dargestellt und man konnte beispielsweise die verwendeten Teppiche, Gardinen und Tapeten anfassen und originalgetreu eingerichtete Kabinen bestaunen.
Als wir nach diesen zwei Tagen dann aber wieder zurück in Dublin waren, haben wir uns schon gefreut – Dublin ist einfach sehr viel schöner, und mittlerweile kenne ich mich dort auch schon sehr gut aus.
Nun bleibt mir hier noch ungefähr ein halbes Jahr, und ich habe noch so einige Städte und Attraktionen auf meiner Liste. Es gibt noch so viel zu sehen und genau so viel zu berichten!
