Augustfehn Ii - „Brücken verbinden, aber in Augustfehn II ist das anders. Hier trennt die Lind-Brücke die Menschen, die an beiden Seiten des Kanals wohnen“, sagt Volkmar Epkes. „Wir brauchen die Lind-Brücke und werden es nicht hinnehmen, dass sie nicht repariert bzw. sogar abgerissen wird und es keinen Ersatz gibt“, so der Gärtnermeister aus Augustfehn II.
Epkes ist mit seiner Forderung nicht allein: Am Dienstagabend hat er während der Gemeinderatssitzung in Bucksande Listen mit 785 Unterschriften von Bürgern an die Gemeindeverwaltung übergeben. Der Tenor: Die Brücke muss erhalten bleiben.
Im November 2017 hatte die Gemeinde die sanierungsbedürftige Holzbrücke aus Sicherheitsgründen für den gesamten Verkehr gesperrt.Doch so mancher Radfahrer fährt trotzdem über die Brücke.
Autofahrer müssen Umwege von mindestens einem Kilometer fahren und können den Kanal erst über die Brücke Uplengener Straße oder die Geometer-Wöbcken-Brücke queren.
Der Straßen- und Brückenausschuss des Gemeinderates hatte sich im November dafür ausgesprochen, dass die Brücke abgerissen werden soll. Eine Reparatur des Bauwerks mit 3,60 Meter breiter Fahrbahn hätte nach Schätzungen rund 66 500 Euro gekostet, ein Neubau mit einer Fahrbahnbreite von 5,50 Metern rund 213 000 Euro. Die Verwaltung war beauftragt worden, die Kosten für den Abriss zu ermitteln, der sich auf rund 15 000 Euro beläuft. Außerdem soll ein Konzept erarbeitet werden, das beinhaltet, welche Brücken im Gemeindegebiet zwingend benötigt werden. 678 Fahrzeuge queren die Lind-Brücke täglich, das hatte eine Messung der Gemeinde Ende Februar/Anfang März 2016 ergeben. Entschieden ist über den Abriss der Lind-Brücke noch nicht. Bei der Straßen- und Brückenausschusssitzung am 7. Mai soll das Thema erneut beraten werden.
„Wir sehen schon jetzt, welche Folgen es hat, wenn es keine Lind-Brücke mehr gibt“, sagt Volkmar Epkes. Die Verkehrsprobleme hätten, seit die Gemeinde die Brücke aus Sicherheitsgründen sperren ließ, deutlich zugenommen. Verschärft habe sich die Verkehrs- und Gefahrensituation sowohl an der Gnieser-Kreuzung als auch an der Geometer-Wöbcken-Brücke.
Stark belastet würden auch die Bermen der schmalen Straße Am Kanal, die für einer derart starken Verkehr nicht geeignet sei. Und die Verkehrsprobleme würden auch in Augustfehn II weiter wachsen, wenn das neue Riesenwohngebiet Augustfehn/Hengstforde entstehen und das Dockgelände bebaut würde. Obendrein hätten Geschäftsleute in Augustfehn durch die längeren Fahrten bereits Einbußen.
„Außerdem hat man bei den Überlegungen, die Brücke abzureißen, nicht bedacht, dass sie eine wichtige Überquerung für diejenigen ist, die zum Friedhof in Augustfehn II wollen. Er ist der größte im ganzen Gemeindegebiet. Wenn hier Beerdigungen sind, parken hier durchaus 50 Autos, der Großteil kam bislang über die Lind-Brücke“, so Anwohner Johannes Lind, nach dessen Vater die Brücke benannt wurde.
Zu der Überwegung haben sowohl er als auch Volkmar Epkes eine besondere Beziehung: Ihre Elterngeneration hatte 1953 die Holzbrücke gebaut und bezahlt, und später der Gemeinde geschenkt, die sie unterhalten sollte. Nicht nachvollziehen können Epkes und Lind, dass die Brücke nicht längst saniert worden sei. Das hätte sich z.B. bereits bei der Kanalsanierung vor vielen Jahren angeboten.
Dass Augustfehner eigene Brücken über den Kanal bauten, war keine Seltenheit. Der Urgroßvater von Johannes Lind, Gerhard Vellage, ließ um 1880 in der Nähe der heutigen Lind-Brücke ein Bauwerk mit weißen Geländer über den Kanal errichten, das später Postkarten aus Augustfehn zierte.
