AUGUSTFEHN - Das Angebot ist nicht als übliche Ausbildung gedacht. Auch Betriebspraktika sind weiterhin Pflicht.
von kerstin schumann
AUGUSTFEHN - Gert Sudbrack und Peter Vöge wuchten eine Buchbinderpresse von einem Standort an den nächsten. „So lernen die Schüler beispielsweise mit schweren Lasten umzugehen", sagt Vöge und lacht. Beide Pädagogen bereiten sich auf die Einrichtung der „Lernwerkstatt" an der Haupt- und Realschule Augustfehn vor und werden das Angebot später maßgeblich gestalten.Die dafür notwendigen Maschinen und Arbeitsgeräte aus dem Buchdruckgewerbe sind bereits von der Gemeinde angeschafft worden und stehen vorübergehend in der Alten Molkerei in Apen. An der Schule schreiten derweil die Baumaßnahmen zügig voran, so dass voraussichtlich Mitte September schon Einweihung gefeiert werden kann. Danach geht es weiter mit der Innenausstattung.
Ziel des ehrgeizigen Projektes ist ein vorbildliches Angebot. „Nach einem neuen Erlass des Kultusministeriums sind in der Hauptschule jetzt in den achten und neunten Klassen deutlich mehr, nämlich 60 bis 80 Praxistage, gefordert. Wir könnten die Schüler nun länger in Betriebe schicken, doch das würde viele Firmen überfordern. Deshalb sollen zusätzlich zu den Betriebspraktika die Schüler in der Lernwerkstatt geschult werden", schildert Sudbrack den Hintergrund. Diese Pläne führten zu manchem Missverständis, weiß er durch zahlreiche Gespräche mit Bürgern. „In der Lernwerkstatt sollen keine Schüler ausgebildet werden, sondern sie sollen Arbeitsabläufe lernen und Teamfähigkeit."
Wie gut sich die Buchbinderei dafür eignet, weiß Vöge, der gelernter Drucker und Setzer ist sowie als Lehrer und danach als freiberuflicher Kunsthandwerker gearbeitet hat. „In der Schule kann man zwar den Jungen und Mädchen Werte wie Pünktlichkeit, Ordnung und Fleiß theoretisch beibringen, aber hier kann man die Ergebnisse am Produkt ablesen. Arbeitet jemand ungenau, ist das Ergebnis entsprechend."
Vielerlei Arbeitsschritte seien notwendig beim Drucken, Buchbinden, bei der Papierherstellung und -veredelung. „Man kann Linolschnitt anwenden oder muss beispielsweise ausrechnen, wieviel Papier man für eine Arbeit benötigt. Es sind Material- und Werkzeugkenntnisse erforderlich."
Auch Schüler, denen feinmotorische Arbeiten nicht liegen, hätten ihren Platz und könnten beispielsweise die Maschinen warten. Die Jahrzehnte alten Arbeitsgeräte seien ideal für eine Manufaktur. „Die Schüler können den Herstellungsprozess sehr genau verfolgen. Später werden wir ergänzend auch modernste Computer einsetzen und damit arbeiten", sagt Vöge. Das sieht auch Sudbrack so: „Wir brauchen das Alte, um das Neue begreifen zu können."
Nach den Wünschen der Pädagogen sollen die Schüler aber nicht für den Papierkorb arbeiten. So sei es durchaus denkbar, hochwertige Fotoalben, Mappen oder Schachteln auf Märkten und Basaren zu verkaufen. Darüber hinaus hoffen sie auf Spendenpatenschaften von Firmen oder Bürgern, um das Projekt langfristig zu stützen.
in der Lernwerkstatt sind teamgeist und fleiß gefragt
