Bookhorn/Berlin - „Es herrscht eine riesengroße Unwissenheit“, sagt Kathleen Kalinke-Schwarting. Das Bild, das viele Verbraucher von der modernen Landwirtschaft hätten, sei verzerrt. Rund zweieinhalb Jahre ist es her, dass die Landwirtin auf dem Betrieb ihrer Familie in Bookhorn im wahren Wortsinn für Einsichten sorgte: Durch Fenster können Passanten jederzeit in den Schweinestall schauen. Die trächtigen Sauen laufen ohnehin in einem offenen Außenklimastall.

„Wir müssen mehr in die Öffentlichkeit gehen“, ist Kathleen Kalinke-Schwarting überzeugt. Nur so könne ein realistischer Eindruck der Landwirtschaft vermittelt werden. „Wir haben nichts zu verbergen.“ Die gelernte Konditormeisterin und Diplom-Berufspädagogin, die vor fast 14 Jahren in den Betrieb ihres Mannes einstieg, freut sich, wenn sich Besuchergruppen ankündigen.

Öffentlichkeitsarbeit betrieben hat die vierfache Mutter jetzt auch bei der Grünen Woche, die noch bis Sonntag in Berlin stattfindet. Freiwillig schloss sie sich der Aktion „zehn100tausend“ an. „Ziel des Projekts ist es, an zehn Messetagen 100 Landwirte auszubilden, die mit 1000 Besuchern sprechen“, umreißt Kathleen Kalinke-Schwarting die Idee.

Zunächst wurden die 100 Agrar-Scouts, Landwirte aus dem gesamten Bundesgebiet, für ihre Aufgabe von einem Kommunikationstrainer didaktisch geschult. Zahlreiche Tipps bekamen Kathleen Kalinke-Schwarting und ihre Mitstreiter mit auf den Weg, bevor es auf den Erlebnis-Bauernhof ging, wo sie Führungen begleiteten und als Ansprechpartner für Besucher zur Verfügung standen. Vor allem eines riet der Experte: Die Landwirtschaft auf einem allgemeinverständlichen Niveau zu erklären.

Viele Gesprächspartner seien überrascht gewesen, „von einer echten Landwirtin angesprochen zu werden“, berichtet Kathleen Kalinke-Schwarting von ihrem Einsatz bei der Messe. Zahlreiche Fragen von Endverbrauchern seien zum Tierschutz gekommen. Überrascht reagiert hätten viele Gesprächspartner angesichts der mitgebrachten Fotos vom Betrieb der Familie Schwarting, die etwa den Außenklimastall zeigen, in dem die Sauen in Gruppen gehalten werden.


Auch zwei Demonstrationen von Landwirten am Rande der weltgrößten Messe für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau besuchte Kath­leen Kalinke-Schwarting. Für sie besonders überraschend: Es hätten Bürger mitdemonstriert, die überhaupt nicht wussten, wofür oder wogegen sie sich da eigentlich gerade einsetzen, „die aber gerne mal einen großen Schlepper aus der Nähe sehen wollten“.

Für die Landwirte gelte es noch eine Menge Aufklärungsarbeit zu leisten. Kathleen Kalinke-Schwarting möchte daran nicht nur auf dem heimischen Betrieb mitwirken: Auch im kommenden Jahr stehe sie gerne wieder als Agrar-Scout bei der Grünen Woche zur Verfügung, sagte die Bookhornerin.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee