Brake - „Ich habe halt ein Helfersyndrom“, sagt Diana Zengerling und lächelt entwaffnend. Zutreffender kann man wohl kaum eine „Schule für Lebensretter“ erklären, die die erst 24-jährige Neu-Brakerin jetzt in der Breiten Straße 47 aufgemacht hat.

Dabei ist der gebürtigen Magdeburgerin das Interesse, anderen Menschen helfen zu wollen, keineswegs in die Wiege gelegt worden. Erst als die Eltern berufsbedingt mit ihr an die Ostsee gezogen sind, kam die junge Frau mit Lebensrettern in Berührung – und fortan davon nicht mehr los.

„Geschwommen bin ich schon immer gern“, erzählt die 24-Jährige, „mit elf Jahren habe ich bereits meinen Tauchschein gemacht“. Sie wurde Mitglied der Deutschen Lebens Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und war fortan nahezu jedes Wochenende auf dem Wachturm in Boltenhagen zu finden. Nebenbei machte Diana ihre Sanitäterausbildung.

Schon bald begann sie, bei der DLRG, aber auch bei den Johannitern oder dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) andere Menschen auszubilden – wurde dort aber von den „älteren“ Ausbildern oft nicht ganz für voll genommen. „Dabei war ich oft bei den Inhalten viel mehr auf der Höhe der Zeit als die“, erzählt die selbstbewusste Unternehmerin. Schon damals reifte deshalb in ihr der Gedanke, ihr eigener Chef zu werden, um auf ihre unkonventionelle Art die notwendigen Lerninhalte zu vermitteln.

Aber bevor sie in diesem Jahr nun endlich den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hat, begann Diana Zengerling zunächst einmal ihr Nautik-Studium in Elsfleth. Zurzeit befindet sie sich im letzten Fachsemester, danach folgen noch das Praxissemester und die Bachelorarbeit.

Offensichtlich ist die Studentin damit noch nicht ausgelastet. Denn als nun ihre Eltern aus beruflichen Gründen ebenfalls in die Wesermarsch gezogen sind und das Haus in der Breiten Straße gekauft haben, stand für Diana fest: Jetzt werde ich meine eigene Chefin!

Unterstützt von den Eltern und ihrem Freund, hat sie vor wenigen Wochen die Räume im Erdgeschoss in einen Unterrichtsraum umgestaltet – in dem die Übersehtruhen ein wenig an ihr Studium erinnern. Ansonsten prägen vor allem Stühle das Ambiente. Und doch, betont die Neu-Wesermärschlerin, will sie ihre Ausbildung in Erster Hilfe nicht als Frontalunterricht gestalten. „Ich bin es gewohnt, auf Menschen einzugehen. Ich kann sie zu Problemstellungen hinführen, damit sie dann von selbst auf die Lösung kommen“, glaubt sie an ihre ganz eigene Art der Vermittlung. „Und es muss manchmal auch mit Witz rüberkommen, damit das Wichtige hängen bleibt“.

Das unternehmerische Risiko bleibt dank der familiären Unterstützung überschaubar – und wenn sie studiumsbedingt erneut auf große Fahrt rund um die Welt gehen muss, dann wird ihr Vater vertretungsweise die Kurse anbieten. Zurzeit ist Diana Zengerling dabei, sich und ihr Angebot in Brake und Umgebung bekannt zu machen. Immer montags und freitags ist sie von 17 bis 18 Uhr in ihrer „Schule für Lebensretter“ persönlich anwesend.