Oldenburg - Die Fahrt mit dem Rad über die Alpen ist ein Protest. Ein Protest gegen die Bahn, die ihre Mitnahmebedingungen geändert hat.

Bisher ist Dieter Husmann gemeinsam mit Freunden bei Reisen in den Süden Europas mit dem Zug nach München und ab dort mit dem Nachtzug nach Florenz gefahren. Die Fahrräder konnten sie in den Zügen jeweils mitnehmen. Das war bequem, nach 24 Stunden Reisezeit erreichte die Gruppe das Ziel und konnte von dort aus zu einer Rundreise mit dem Rad aufbrechen. „Doch damit ist nun Schluss“, ärgert sich Husmann, der auch stellvertretender Vorsitzender des Oldenburger Kreisverbandes des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ist. Der Nachtzug von München nach Florenz in der Toskana nimmt keine Fahrräder mehr mit. Es gäbe zwar Möglichkeiten, tagsüber von München nach Florenz zu fahren, aber das würde laut Husmann mehrmaliges Umsteigen bedeuten. Husmann: „Mit sechs Leuten und viel Gepäck nicht gerade ein Vergnügen.“ Außerdem betrage die Fahrzeit wegen der beschränkten Zugauswahl zwei Tage.

Husmann entschied sich daher mit seinen Freunden, mit den Rädern nach Florenz zu fahren. Abfahrt war am Mittwochmorgen um 8.25 Uhr zwar am Oldenburger Hauptbahnhof mit dem Zug, doch die Bahnfahrt endete in Minden, von wo aus die Gruppe den Weg entlang der Weser, Fulda über Rothenburg ob der Tauber bis nach Landsberg fortsetzen wollen. Dort stoßen drei weitere Mitradler dazu, die gemeinsam mit den Oldenburgern über Füssen und den Fernpass Richtung Gardasee fahren. Weiter geht es dann über Modena nach Florenz. In der Toskana und in Umbrien wollen sie noch eine kleine Runde drehen. Ursprünglich war ausschließlich eine größer angelegte Um­brien-Radtour geplant, aber durch die lange Anreise bleibt dafür nicht genügend Zeit. „Der Weg ist das Ziel“, gibt Husmann deshalb als Wahlspruch für die Reise aus.

Nach Florenz ist die Reise 1500 bis 1600 Kilometer lang, schätzt Husmann. 700 bis 1000 Kilometer hat er jeweils bei den Rundfahrten in den Vorjahren zurückgelegt, die unter anderem zweimal in die Toskana sowie einmal in die Provence und über die Insel Korsika führten.

Husmann ist mit seinen 70 Jahren der Senior der Truppe, gibt er schmunzelnd zu. Die Mitradler sind 20 bis 30 Jahre jünger. Probleme mitzuhalten, hat Husmann aber nicht. 50 bis 100 Kilometer legen die Radfahrer pro Tag auf ihrem Weg nach Italien zurück. „Je nachdem, wie viele zeit- und kraftraubende Anstiege zu bewältigen sind“, sagt der stellvertretende ADFC-Vorsitzende. Übernachtet wird in Zelten auf Campingplätzen, die sich entlang der Strecke finden.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg