Calveslage/Essen/Lindern - Harald Vogelsang hat im Sitzungsraum seines Maschinenbau-Unternehmens in Essen (Kreis Cloppenburg) eine Weltkarte an die Wand projiziert – mit bunten Punkten darauf. Das sind die 20 Tochterfirmen rund um den Globus. „Wir produzieren natürlich weiterhin hauptsächlich in Deutschland“, erläutert der Chef. Aber gefertigt werde auch in China, den USA, Australien und Indien. Und die „Internationalisierungsstrategie“ gehe weiter. „Die Entwicklung der Märkte schreit danach, dass man etwas im Ausland macht“, sagt der Unternehmer.

Ausland, das bedeute große Chancen für das traditionell regional ausgerichtete Handwerk – und nicht nur für große Betriebe wie Vogelsang mit 650 Beschäftigten, sagt Manfred Kurmann, Präsident der Handwerkskammer Oldenburg. Es gebe bereits eine „Vielzahl toller Betriebe, die im Ausland erfolgreich sind“.

Kurmann informierte sich im Rahmen einer Initiative der Landesvertretung des Handwerks mit rund 30 Landespolitikern und Experten aus Ministerien und Förderinstituten bei drei Betrieben des Oldenburger Münsterlandes über deren Auslands-Strategien: Vogelsang (Essen), Wolking (Vechta-Calveslage) und Kraft Curing (Lindern).

Klar wurde: Die Vorgehensweise ist unterschiedlich: Vogelsang, ein Spezialist für Pumpen, Vakuumsysteme, Zerkleinerungs- und Agrartechnik (85 Mio. Euro Umsatz/60 Prozent Auslandsanteil) eröffnet Auslandsbeine grundsätzlich selbst, ohne Gemeinschaftsunternehmen, aber mit einheimischem Personal, das die Märkte kennt, wie Harald Vogelsang erläutert. Hilfreich sei das Wissen der Auslandskammern. Wichtig für ihn: Ständig neue Innovationen. Nur so ist wohl auch erklärbar, dass heute etwa Toiletten im Superschnellzug-System Chinas mit Vakuumtechnologie aus Essen/Oldenburg ausgerüstet sind.

Andere Strategie beim Mühlenbauer Wolking in Vechta-Calveslage mit mehr als 70 Prozent Auslandsanteil: Dort bedient man das Ausland von Deutschland aus. Vor allem für die besonders herausfordernden osteuropäischen Märkte gibt es aber ein Gemeinschaftsunternehmen „BDW“ (100 Prozent Exportanteil) mit dem benachbarten Stallbauer Big Dutchman, wie die Geschäftsführer Heinrich und Michael Wolking erläutern. So kann man als mittelständischer Handwerksbetrieb (95 Mitarbeiter) auch in Russland punkten. Wichtig findet Handwerker Wolking die Marktinfos und Kontakte, die sich bei Auslandsreisen ergeben, die die Landesregierung organisiert, sowie die Information über die Kammer. Wolking liefert Anlagen zur Produktion von Tiernahrung. Das Oldenburger Münsterland mit seinen „anspruchsvollen Kunden“ sei Basis des Exporterfolgs, wird betont.


Konsequent Nischen in der Betonwaren- und Betonfertigteilindustrie zu besetzen – weltweit, das ist das Konzept der erst 2013 gegründeten Kraft Curing Systems aus Lindern (20 Mitarbeiter). Man liefert in 56 Staaten, Exportanteil: 85 Prozent.

Vogelsang, Wolking und Kraft Curing – das sind drei von rund 5000 Handwerksbetrieben im Land, die im Ausland tätig sind. Das, meint Dr. Hildegard Sander (Landesvertretung Handwerkskammern Niedersachsen), solle mehr werden. Es gäbe ein „riesiges Potenzial“. Hilfe bei der Erschließung gebe der gemeinsame Stützpunkt „Norddeutsches Handwerk International“ in Hannover. Wichtig sei, dass das Land die Außenwirtschaftsförderung beibehalte.

Auch in Betrieben kann man mehr tun. „Englisch, am Telefon und vor Ort – da können wir noch besser werden“, sagt etwa Michael Wolking.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)