Berlin - Für die Schiene plant die Ampel einiges. Der Koalitionsausschuss hatte kürzlich den Finanzbedarf der Bahn auf 45 Milliarden Euro bis 2027 beziffert. Die Mittel für die Sanierung sollen zum Teil aus der Lkw-Maut kommen, die dafür erhöht wird. Die Bahn, so hofft man, wird dann pünktlicher sowie attraktiver werden. Nun steuern die Verkehrsminister der Länder noch eine Idee bei, wie man das Unternehmen voranbringen kann: Mehr Nachtzüge sollen aufs Gleis, damit mehr Reisende sie auch nutzen. Nachtzugverbindungen stellten nämlich „eine klimafreundliche Alternative zum Flugverkehr“ dar, so die Länder.
Länder fordern mehr Geld vom Bund
Das geht aus einem Papier der Verkehrsminister hervor, das unserer Redaktion vorliegt. Darin heißt es zu den Nachtzügen: „Trotz steigender Nachfrage werden sie aktuell auf zu wenigen Relationen angeboten.“ Um ein konkurrenzfähiges Angebot zu ermöglichen, müssten Anreize geschaffen werden, um weitere nächtliche Verkehre zu etablieren. Dazu sehen die Länder allerdings den Bund in der Pflicht: Mehr Mittel als „Anschubfinanzierungen“ für entsprechende Züge seien notwendig; vor allem müssten die Trassenpreise „explizit für Nachtzüge“ gesenkt werden. Also die Gebühr, die Eisenbahnunternehmen für die Nutzung des Schienennetzes zahlen müssen. Kurzum: Man fordere den Bund auf, „Maßnahmen zur Stärkung des klimafreundlichen Nachtzugverkehrs zu ergreifen“.
Laut Bahnexperten erleben Nachtzüge einen Aufschwung; auch, weil das Fliegen deutlich teurer geworden ist und man oftmals mit dem Flugzeug dann doch nicht schneller von A nach B kommt. Die Deutsche Bahn ist nach eigenen Angaben „Teil einer erfolgreichen Nachtzugallianz“. Man stelle Lokführer und Loks, organisiere die Trassen-, Stations- und Energienutzung und spiele im Vertrieb eine entscheidende Rolle, so eine Sprecherin zu unserer Redaktion. „Rund 6500 Züge mit Schlaf- und Liegewagen sind im Jahr 2022 mit unserer Hilfe durch Deutschland gefahren.“
Europäische Zusammenarbeit
Hauptanbieter sind die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) mit Schlaf- und Liegewagen, die DB AG beteiligt sich mit eigenen Sitzwagen an den Nachtzugverbindungen ihrer europäischen Partnerbahnen. Im innerdeutschen Nachtverkehr setzt das Unternehmen auf reguläre ICE- und Intercity-Züge. Eine Renaissance eigener Liege- und Schlafwagen ist dem Vernehmen nach nicht geplant.
Das sei auch nicht notwendig, wie Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn betont: „Die Kooperation mit den österreichischen Bahnen auszubauen, ist der sinnvollere Weg.“ Die Österreicher hätten bereits neue Schlaf- und Liegewagen vorgestellt. „Wir brauchen daher ein europäisches Konzept. Kleinstaatlich wird es zu teuer und funktioniert nicht.“ Schon jetzt seien Nachtzugverbindungen häufig günstiger. „Das teuerste Abteil bekommt man am schlechtesten“, spricht Naumann aus Erfahrung. Nachtzüge funktionierten auch auf längeren, innerdeutschen Strecken.
Bahn erweitert Angebot
Die Bahn weist darauf hin, dass man bereits Erweiterungen des Angebots vornehme: Eine neue Nachtzuglinie, auch mit IC-Sitzwagen, verbinde Zürich mit Berlin beziehungsweise Prag mit Halten in Erfurt, Halle und Leipzig. Auch, so die Bahn-Sprecherin, ändere der bestehende Nachtzug Zürich–Hamburg seine Route und binde dadurch weitere Städte ein. Einen Ausbau gebe es überdies bei der Verbindung München-Venedig. Gemeinsam mit den Partnern würden 13 europäische Metropolen auf der Schiene über Nacht verbunden.
Ministerium scheint es nicht eilig zu haben
Zur Forderung der Länder eines weiteren Ausbaus für mehr Klimaschutz heißt es: „Die Deutsche Bahn steht generell für klimafreundliches Reisen am Tag und in der Nacht.“ Das Bundesverkehrsministerium scheint es freilich nicht eilig zu haben. Es will zunächst eine Studie in Auftrag geben – mit „langer Laufzeit“, wie die Länder in dem Papier beklagen.
Lesen Sie auch: Bahnromantik oder falsche Versprechen? So gut (oder schlecht) ist der Nachtzug nach Schweden
