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-Umfrage ergab.Das Handwerk freut sich sogar auf zusätzliche Bewerber: Wir versuchen seit Jahren, Jugendlichen mit Abitur deutlich zu machen, dass es Perspektiven im Handwerk für sie gibt, erklärt Hartmut Günnemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land. Dass in diesem Sommer wegen der Verkürzung der Gymnasiums-Zeit (G8) gleich zwei Abi-Jahrgänge auf den Lehrstellen-Markt kommen, könne allerdings zu einem Verdrängungswettbewerb führen, räumt Günnemann ein schwächere Bewerber bekommen stärkere Konkurrenz.
Viele Ausbildungsplätze sind aber ohnehin schon vergeben, die Verträge abgeschlossen. Die Zukunftswerkstatt Ausbildungsplatz-Initiative Ganderkesee (Zwaig) verzeichnete auf ihrer letztjährigen Lehrstellen-Börse wohl deshalb auch einen verstärkten Andrang von Gymnasiasten. Ein gutes Drittel der Berufe, die wir bei der Börse haben, kommt immer für Abiturienten in Frage, sagt Zwaig-Vorsitzender Rolf Stiening, der ebenso wie Günnemann gern mehr Jugendliche mit Reifezeugnis in der handwerklichen Ausbildung sehen würde. Laut Heiko Henke von der Handwerkskammer Oldenburg gibt es nur fünf Prozent Abiturienten in den Handwerks-Lehrberufen. Betriebe müssten um Gymnasiasten noch mehr werben, meint er.
Immer noch offene Stellen
In manchen technischen Berufen würden trotz des doppelten Abitur-Jahrgangs und der Aussetzung der Wehrpflicht sogar Lehrstellen unbesetzt bleiben, erwartet Stiening. Da ist der demografische Wandel längst spürbar. Zwaig sei deshalb bemüht, intensiver mit den Gymnasien zusammenzuarbeiten: Bewerbungstraining zum Beispiel sollte es in den Oberstufen noch öfter geben.
Mit diesem Wunsch dürfte er am Gymnasium Ganderkesee offene Türen einrennen: Berufsberatung bieten wir den Schülern schon regelmäßig an, sagt Oberstufenkoordinator Holger Krone. Auch persönliche Sprechstunden mit Experten der Agentur für Arbeit tragen zur beruflichen Orientierung bei. 153 Abiturienten werden in diesem Jahr entlassen die wissen schon um die besondere Situation, glaubt Krone.
Viele gute Bewerbungen
Eine vergleichsweise hohe Zahl guter Bewerbungen hat Irma Rüscher, Personalsachbearbeiterin der Volksbank Ganderkesee-Hude, registriert vermutlich wegen des Doppel-Abis. Das Geldinstitut hat reagiert: 2011 werden fünf statt vier Azubis aufgenommen. Auch Ulf Moritz, im Ganderkeseer Rathaus für die Auszubildenden zuständig, bekommt zunehmend Bewerbungen von Abiturienten für die Verwaltungslaufbahn. Eine Verdoppelung wegen des G8 habe man im Rathaus aber nicht festgestellt.
Ausschließlich Realschüler haben sich hingegen bei Meyer Technik im Elektrobereich beworben, sagt Abteilungsleiter Manfred Siemer. Das Unternehmen hätte gerne Gymnasiasten eingestellt, ist aber mit den sehr guten Realschülern auch zufrieden.
